Waldorfschulen

Waldorfschulen

In der Waldorfschule lernt man nur seinen Namen tanzen und sonst nicht viel mehr – oder? Dieses unberechtigte Vorurteil hört man öfter. Aber hinter Waldorfschulen steckt ein durchdachtes pädagogisches Konzept.

Die erste Waldorfschule wurde vor fast 100 Jahren in Stuttgart gegründet. Der Begründer Rudolf Steiner gründete sie zusammen mit dem Besitzer der damaligen Waldorf Astoria Zigarettenfabrik. Daher kommt auch der Name Waldorfschule. Sie wurde für die Stuttgarter Arbeiterkinder gegründet. Die Kinder erhielten unabhängig von sozialer Herkunft und Begabung eine gemeinsame Bildung.

Reformpädagogische Schule

Waldorfschulen gehören zu den reformpädagogischen Schulen. Es gibt über 200 davon in Deutschland. Da sie zu den Privatschulen zählen, müssen Eltern ein Schulgeld zahlen, wenn ihre Kinder eine dieser Schulen besuchen wollen. Die staatlichen Zuschüsse, die die Waldorfschulen erhalten, reichen in der Regel nicht ganz zum Decken der Betriebskosten aus. Das Schulgeld ist jedoch an den meisten Schulen nach sozialen Kriterien gestaffelt. In Waldorfschulen gibt es eine flache Hierarchie. Die pädagogische Leitung erfolgt durch die wöchentliche Lehrerkonferenz. Hier sind alle Lehrer gleichberechtigt, die Geschicke der Schule mitzubestimmen. Auch die Eltern dürfen sich in das Schulgeschehen einbringen.

Epochenunterricht

Bekannt sind Waldorfschulen nicht nur dafür, dass man dort lernt, seinen Namen zu tanzen, sondern auch für den sogenannten Epochenunterricht. Epochenunterricht bedeutet, dass Sachgebiete in sich geschlossen behandelt werden. In Regelschulen, d.h. staatlichen Schulen, wird ein Thema z.B. aus dem Biologieunterricht über viele Wochen hinweg behandelt. Im Epochenunterricht beschäftigt man sich hingegen sehr konzentriert mit einem hohen Zeitaufwand mit diesem bestimmten Thema. Bei Wissensgebieten, die laufender Übung bedürfen, wird der Unterricht in Fachstunden erteilt. Das gilt insbesondere für künstlerischen Unterricht und Fremdsprachen. Fremdsprachen werden übrigens ab dem 1. Schuljahr unterrichtet. Das ist ein weiterer Unterschied zu den meisten staatlichen Schulen.

Kein Sitzenbleiben

In der Waldorfschule gibt es kein Sitzenbleiben, denn der Schwerpunkt wird auf Fördern gelegt. Alle Kinder sollen so angenommen werden wie sie sind und in ihren Stärken gefördert werden. Wer etwas länger braucht, um etwas Bestimmtes zu lernen, bekommt diese Zeit und wird trotzdem mitgenommen in die nächste Klassenstufe. Alle Schüler durchlaufen gemeinsam 12 Schuljahre. Ein besonderer Schwerpunkt liegt in Waldorfschulen auf der musisch-künstlerischen Ausbildung. Das soll vor allem die schöpferischen Fähigkeiten der Kinder fördern. Das beinhaltet Musik, Theater, Kunst und handwerklichen Unterricht. Waldorfschulen wollen vor allem die lebenspraktische Orientierung der Schüler fördern. Daher wird auch Wert auf Gartenarbeit und Tierpflege gelegt, soweit es die Gestaltung des Schulgeländes zulässt.

Keine Noten

In Waldorfschulen gibt es das übliche Notensystem nicht. Die Zeugnisse bestehen nicht aus einer Ziffernbeurteilung, sondern aus detaillierten Charakterisierungen, die die Leistung, den Leistungsfortschritt, die Begabungslage und das Bemühen in den einzelnen Fächern durchsichtig machen. Die Schule wird mit der Mittleren Reife, Fachhochschulreife oder dem Abitur (nach dem 13. Schuljahr) gemäß den in den Bundesländern jeweils geltenden Regeln abgeschlossen.

Kritik

Waldorfschulen werden oft belächelt und kritisiert. Es wird darüber gewitzelt, dass Schüler dort nicht viel mehr lernen, als ihren Namen tanzen können. Waldorfschüler lernen tatsächlich im Rahmen der Eurythmie ihren Namen zu tanzen. Dennoch müssen Waldorfschüler am Ende der Schulzeit die gleiche Prüfung ablegen wie alle Schüler desselben Bundeslandes.

2 Gedanken zu “Waldorfschulen

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