Erhöhter Nährstoffbedarf

In welchen Lebensabschnitten haben wir einen erhöhten Nährstoffbedarf?

In verschiedenen Lebensabschnitten steigt unser Nährstoffbedarf an. Dabei kann es bei einseitiger Ernährung zu kritischen Nährstoffdefiziten kommen. Durch eine abwechslungsreiche Ernährung kann der erhöhte Bedarf meist gedeckt werden.

Um die entsprechende Menge an Nährstoffen in jeder spezifischen Lebensphase zu decken, ist eine ausgewogene und bedarfsgerechte Ernährung von großer Bedeutung. Der Nährstoffbedarf unterscheidet sich individuell von Mensch zu Mensch und ist von verschiedenen Faktoren wie Alter, Stress, Erkrankungen oder körperlicher Aktivität abhängig. In ganz bestimmten Situationen, wie der Schwangerschaft oder bei bestimmten Stoffwechselerkrankungen, werden Nahrungsergänzungsmittel empfohlen, um den erhöhten Bedarf an Nährstoffen zu decken. Im Allgemeinen ist der Nährstoffbedarf in Schwangerschaft und Stillzeit, im Wachstum, bei Stress und Erkrankungen erhöht. Auch Leistungssportler und Raucher haben einen erhöhten Bedarf an bestimmten Nährstoffen.

Vitaminmangelerkrankungen selten in Deutschland

Erhebungen über die Nährstoffzufuhr deuten darauf hin, dass einige wenige Vitamine und Mineralstoffe, wie Vitamin D, Kalzium, Folsäure und Jod, in Deutschland von manchen Bevölkerungsgruppen nicht entsprechend den Zufuhrempfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung aufgenommen werden. Dies kann man jedoch nicht generell mit einer Unterversorgung oder einem Mangel gleichsetzen. In den seltensten Fällen bedeutet eine Unterversorgung mit Mikronährstoffen ein klinisch feststellbares Defizit. Aufgrund individueller Unterschiede im Bedarf sowie einer gewissen Speicher- und Anpassungsfähigkeit des Körpers lässt sich nur sehr schwer von einer marginalen Unterversorgung auf eine Mangelerkrankung schließen. Echte Vitaminmangelkrankheiten kommen in Deutschland nur selten vor.

Schwangerschaft und Folat

Zwar ist es durch eine bewusste Auswahl der Lebensmittel möglich, in der Schwangerschaft nur wenig mehr zu essen, aber zugleich den Anteil an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen deutlich zu erhöhen; bei Folsäure ist der Spagat aber praktisch kaum zu schaffen. Frauen nehmen nur etwa zwei Drittel der von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfohlenen Menge von 300 Mikrogramm (µg) Nahrungsfolat auf. Der Bedarf dieses B-Vitamins steigt mit der Schwangerschaft auf 550 µg.

Bereits bei Kinderwunsch sollten Frauen Folsäure als Nahrungsergänzungsmittel einnehmen. Dieses B-Vitamin wird bereits in einem frühen Entwicklungsstadium des Fötus benötigt, um Fehlbildungen des zentralen Nervensystems zu verhindern. Aktuell wird empfohlen, zur Prophylaxe von Neuralrohrdefekten zusätzlich zur normalen Ernährung 400 μg Folsäure pro Tag in Tablettenform einzunehmen. Die Einnahme sollte mindestens vier Wochen, besser länger, vor einer Schwangerschaft begonnen und bis zum Ende des ersten Schwangerschaftsdrittels fortgesetzt werden. Folsäure ist außerdem enthalten in grünem Blattgemüse wie Feldsalat und Spinat, Leber, Linsen, Brokkoli und Eiern.

In der Stillzeit hauptsächlich Energiebedarf erhöht

Grundsätzlich gelten für stillende Frauen die gleichen Ernährungsempfehlungen wie für nicht stillende Frauen. Bei stillenden Frauen steigt allerdings der Energiebedarf an, denn Stillen ist schwere körperliche Arbeit. So kann der Energiebedarf um bis zu 600 kcal pro Tag ansteigen. Und das entspricht einer mittleren Mahlzeit. Durch hormonelle Einflüsse essen Mütter in der Stillzeit häufiger mehr. Außerdem hat der Körper für diese Zeit bereits in der Schwangerschaft vorgesorgt und Energiereserven für die Stillzeit angelegt. Unter- und auch Überernährung wirken sich negativ auf die Milchproduktion aus und sollten vermieden werden. Bei einer ausgewogenen Ernährung brauchen stillende Frauen in der Regel keine Nahrungsergänzungsmittel, betont Dr. Rolf Großklaus vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). „Die Versorgung mit Obst und Gemüse ist heute besser als vor zwanzig Jahren, nicht zuletzt durch Tiefkühlware.

Eine Ausnahme gibt es jedoch bei Jod. Hier sollte eine zusätzliche Einnahme von Jodtabletten bis zum Ende der Stillzeit erfolgen – mit 100 bis 150 µg am Tag. Besonders „rauchende Mütter sollten mehr Jod aufnehmen“, sagte Großklaus. Denn Rauchen senke den Jodgehalt in der Muttermilch.

Wachsender Organismus benötigt reichlich Nährstoffe

Kinder und Jugendliche befinden sich in einer Lebensphase, wo Organe noch reifen und wachsen müssen. Demzufolge ist ihr Nährstoffbedarf im Vergleich zu erwachsenen Menschen höher, wenn man das niedrigere Gewicht und die geringere Körperoberfläche beachtet. Deshalb ist in Wachstumsphasen eine ausgewogene Ernährung besonders wichtig. Zur ausreichenden Knochen- und Zahnentwicklung sind die Nährstoffe Kalzium, Vitamin D und Fluorid von besonderer Bedeutung.

Stress erhöht den Nährstoffbedarf

Emotionaler Stress und körperliche sowie geistige Überbeanspruchung können zu einem erhöhten Vitaminbedarf führen. Betroffen sind ebenso Menschen, die an einer akuten Infektion erkrankt sind, Wunden oder Verbrennungen haben und vor kurzem operiert wurden. Jede Form von Stress führt in unsrem Körper zu einem erhöhten Vitaminverbrauch und damit steigt dann auch der Bedarf an Vitaminen. Die Deckung des individuellen Bedarfs an Nährstoffen ist eine wichtige Voraussetzung zum Stressabbau.

Raucher benötigen mehr Vitamin C

Bei starken Rauchern erhöht sich der allgemeine Vitaminbedarf, da viele Vitamine vom Körper zum Entgiften schädlicher Bestandteile des Zigarettenrauches verbraucht werden. Der Bedarf an Vitamin C ist beispielsweise um 40 Prozent höher als bei Nichtrauchern. Auch der Bedarf an Folsäure ist im Vergleich zu Nichtrauchern erhöht.

„Pille“ wirkt sich negativ auf Vitaminhaushalt aus

Vitamin B6 ist ein wasserlösliches Vitamin und ist an vielen Stoffwechselprozessen beteiligt. 14 Prozent der jungen Mädchen und Frauen im Alter zwischen 14 und 18 Jahren erreichen über ihre Nahrungszufuhr nicht die empfohlene Menge des Vitamins. Besonders Frauen, welche die Pille einnehmen, haben einen niedrigen Vitamin-B6-Status. Fast drei Viertel der Pillenanwenderinnen in dieser Altersgruppe liegen unterhalb des wünschenswerten Bereichs. Außerdem erhöht die Langzeiteinnahme bestimmter Medikamente (z. B. Medikamente gegen Epilepsie und Tuberkulose) den Bedarf an Vitamin B6. Enthalten ist Vitamin B6 in nahezu allen Lebensmitteln. Besonders viel des Vitamins befindet sich in Fisch, Schweine- und Hühnerfleisch, Kohl, Linsen, Kartoffeln, Bananen und Vollkorngetreideprodukten.

Nahrungsergänzungsmittel sind oft überflüssig

Nahrungsergänzungsmittel sind für gesunde Menschen, die sich „normal ernähren, in der Regel überflüssig. Bei ausgewogener Ernährung bekommt der Körper alle Nährstoffe, die er braucht über die verzehrten Lebensmittel. Eine einseitige, unausgewogene Ernährungsweise kann auch durch die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln nicht ausgeglichen werden. Nur in bestimmten Fällen ist eine gezielte Ergänzung der Nahrung mit einzelnen Nährstoffen sinnvoll, zum Beispiel Folsäure in der frühen Schwangerschaft bzw. bei Kinderwunsch oder Vitamin-B₁₂ bei einer veganen Ernährung. Die Einnahme von zusätzlichem Kalzium kann für Menschen, die keine Milchprodukte verzehren, ebenfalls sinnvoll sein. Seit vielen Jahren wird außerdem Speisesalz mit Jod angereichert, um die Jodzufuhr in Deutschland zu verbessern.

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