Internationaler Frauentag

Internationaler Frauentag: Darum brauchen wir ihn immer noch

Schon seit knapp einhundert Jahren wird am 8. März auf der ganzen Welt der Internationale Frauentag gefeiert. Doch woher kommt diese Tradition und warum ist der Tag immer noch wichtig?

Historische Ursprünge

Die Idee eines Frauentages kam ursprünglich aus den USA. Dort demonstrierten seit 1909 Frauen für ihr Wahlrecht, was auch in Europa auf Begeisterung stieß. So beschlossen die Teilnehmerinnen der sozialistischen Frauenkonferenz in Kopenhagen 1910 die Durchführung eines europaweiten Frauentags. Federführend war dabei die deutsche Politikerin und bekannte Frauenrechtlerin Clara Zetkin.

So kam der Frauentag zu seinem Datum

Im Deutschen Reich und vielen anderen Ländern fand der erste Internationale Frauentag am 19. März 1911 statt. Dieses Datum wählte die Frauenkonferenz ganz bewusst: Es sollte sowohl an den Aufstand der Pariser Kommune 1871 als auch an die Märzrevolution 1848 erinnern.

Der erste Frauenkampftag war ein großer Erfolg: Allein in Berlin gingen rund 45.000 Frauen im Rahmen von über 42 Veranstaltungen auf die Straße. Sie forderten neben dem aktiven und passiven Wahlrecht auch Regelungen für den Mutter- und Arbeitsschutz sowie einen Achtstundentag.

In den nächsten Jahren gab es jedoch noch kein einheitliches Datum für den Frauentag. Erst 1921 bestimmten die Delegierten der internationalen Konferenz kommunistischer Frauen in Moskau den 8. März. Mit diesem Termin sollte an die Frauentagsdemonstrationen von 1917 im russischen St. Petersburg erinnert werden. Diese bildeten den Ausgangspunkt für die Russischen Revolution – oder auch Februarrevolution genannt.

Immer am Puls der Zeit

Fortan wurde der Internationale Frauentag nicht nur benutzt, um auf die Rechte der Frauen aufmerksam zu machen. Schon in den späteren Jahren der Weimarer Republik stand der jährliche Frauenkampftag unter einem aktuellen politischen Motto. Das waren zum Beispiel die „Sicherung des Friedens“ (Frauentage 1927 und 1928) oder der „Kampf gegen Krieg und Naziterror“ (1931 und 1932). Im Nationalsozialismus wurde der Frauentag verboten. Stattdessen wurde der Muttertag im Mai etabliert, um das Frauenbild der „deutschen Mutter“ zu propagandieren.

Doch schon 1946 wurde im Gebiet der späteren DDR bereits wieder Feiern zum Frauentag begangen. In der Bundesrepublik erwachte der Frauenkampftag erst im Zuge der 68er Bewegung zu neuem Leben. 1975 nahm die UNO ihn schließlich in den Kalender der jährlich zu begehenden bedeutenden Tage auf.

Und auch heute noch gehen Jahr für Jahr weltweit Tausende Frauen für ihre Rechte auf die Straße. Dabei steht heutzutage weniger das Wahlrecht im Vordergrund. Doch gibt es immer noch Themen, in denen Frauen benachteiligt werden.

Frauentag 2017 – nach wie vor hochaktuell

In Westeuropa stehen zur Zeit die Themen Chancengleichheit und Gleichberechtigung im Beruf im Fokus der Veranstaltungen zum Internationalen Frauentag. Doch auch Gewalt gegen Frauen und Mädchen, Rechte homo- oder transsexueller Menschen sowie die AIDS-Aufklärung finden ihren Platz.

Aufgrund der aktuellen politischen Lage verbinden diese Themen Frauen auf der ganzen Welt miteinander. Denn unsere Rechte als Frauen werden immer stärker bedroht. Das zeigt sich zum Beispiel in den Auseinandersetzungen zu Abtreibungsgesetzen in Polen und den USA.

Doch nicht nur in der westlichen Welt, auch in Lateinamerika oder Südostasien demonstrieren heute Frauen für ihre Rechte. Mit dem Hashtag #8M machen Frauen im spanischsprachigen Raum auf den heutigen Tag aufmerksam und tragen aktuelle Debatten auch in die sozialen Medien. Nicht zuletzt zeigt auch die heftige Diskussion um Emma Watsons Fotostrecke in der „Vanity Fair“, wie aktuell feministische Themen heute noch sind.

Dies alles verdeutlicht, wie wichtig der Internationale Frauentag heute noch ist. Doch nicht nur am 8. März sollten wir für unsere Rechten als Frauen eintreten – sondern auch an jedem anderen Tag im Jahr.

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