Plastik im Haushalt vermeiden

Life in plastic, it’s fantastic? – Plastik im Haushalt vermeiden

Deutschland ist Europameister! Leider nicht im Fußball, sondern beim Verbrauch von Plastik. 25 Prozent des gesamten EU-Verbrauchs entstehen allein durch die Deutschen. Jeder von uns produziert 36 kg Verpackungsmüll im Jahr.

Im Plastikbecher abgefüllter Joghurt, in Plastikschalen verpackte Äpfel, im Plastikbeutel eingeschweißtes Toastbrot – dies und noch viel mehr stecken wir in unseren Plastikbeutel, um es nach Hause zu tragen. In unserem Alltag wimmelt es nur so von Plastik. Für uns scheint dies das Leben zu leichtern: die Waren bleiben frischer, sind von Außeneinflüssen besser geschützt und lassen sich leicht nach Hause transportieren. Für die Umwelt ist unser Verhalten eine Katastrophe. Es fängt schon bei der Produktion an. Bei der Erzeugung von einer einzigen Plastiktüte belasten wir unsere Luft mit 120 Gramm CO2. Durchschnittlich nutzen wir diese Tüte dann 25 Minuten, bevor sie entsorgt wird. Zu oft finden die Tüten und all der andere Plastikmüll trotz Recycling ihren Weg ins Meer. Der Müll wird dann von Meeresbewohnern wie Schildkröten oder Delfinen fälschlicherweise für Nahrung gehalten und gefressen. Qualvoll sterben sie an ihrem tödlichen Irrtum, indem die unverdaulichen Plastikbeutel ihre Mägen verstopfen. Anderer Plastikmüll zersetzt sich zu Mikroplastik, welche von Krebsen und Fischen aufgenommen wird, die wir gerne verspeisen und so landet unsere Plastikverpackung indirekt wieder auf unseren eigenen Tisch.

Plastik in der Nahrung macht uns dick

Wenn Nahrung in Plastik verpackt ist, können auch auf diese Art Bestandteile der Kunststoffe in unsere Lebensmittel übergehen. Hierbei handelt es sich zumeist um sogenannte Weichmacher (Phthalate), welche unsere Plastikverpackungen dehnbar und biegsam machen. Besonders bei fetthaltiger Nahrung besteht dieses Problem. Gelangen die Stoffe in unseren Körper, beeinflussen sie das Hormonsystem. Forscher des Helmholtzzentrums für Umweltforschung (UFZ) haben in Zusammenarbeit mit dem Integrierten Forschungs- und Behandlungszentrum (IFB) Adipositas-Erkrankungen der Universität und des Universitätsklinikums Leipzig in Tierversuchen festgestellt, dass Weichmacher den Hormonhaushalt massiv schädigen. Sie stören den Glukosestoffwechsel und es können vermehrt ungesättigte Fettsäuren im Blut nachgewiesen werden. Plastik in unseren Essen wirkt also wie ein Hormon und, da das Gewicht vom Hormonhaushalt abhängig ist, kann uns Kunststoff in der Nahrung dick machen.

EU-Richtlinie, um den Plastiktüten-Verbrauch zu senken

Auch die EU hat die Gefahren von Plastik erkannt und will bis 2025 den Plastiktüten-Verbrauch stark reduzieren. Hierfür hat sie eine Richtlinie erstellt, mit welcher bis Ende 2019 der Verbrauch von Plastiktüten auf 90 Stück pro Kopf sinken soll. 2025 sollen nur noch 40 Beutel verbraucht werden. Die Richtlinie gilt jedoch nur für dünne Plastikbeutel, denn dicke, mehrfach verwendbare und ganz dünne Plastiktüten, in welchen häufig Obst und Fleischwaren verkauft werden, sind von dieser Regelung ausgenommen. Wie konkret dieses Ziel zu erreichen ist, bleibt den einzelnen Ländern selbst überlassen. Deutschland setzt auf eine freiwillige Selbstverpflichtung der Unternehmen, in welcher vorgesehen ist, Plastiktüten nur noch kostenpflichtig an die Kunden herauszugeben. Unklar ist, wie viele und welche Unternehmen sich daran beteiligen werden. Besonders der Textilhandel hat erhebliche Vorbehalte. Es gibt aber auch einige Unternehmen, welche die EU-Richtlinie, übrigens unabhängig von der Selbstverpflichtung, schon umsetzen wie Karstadt, DM oder Rossmann. Falls die Selbstverpflichtung und das freiwillige Engagement der Unternehmen zu keinem Erfolg führen, wird ein neues Gesetz notwendig. In Irland, Italien und Frankreich sind gesetzliche Regelungen zum Plastiktüten-Verbrauch schon in Kraft.

Alternativen zur Plastikverpackung

Jeder von uns kann auch selbst einen Beitrag zur Reduzierung des Plastikmülls leisten. Anstatt Plastiktüten zu kaufen, ist es sinnvoller Stoffbeutel zu verwenden. Es gibt sie heutzutage in jeglichen Formen und Farben, sodass sich jeder ein schönes, modernes Design wählen kann. Das Klischee vom Öko-Jute-Beutel hat somit ausgedient. Fleisch kannst du frisch beim Fleischer kaufen und wenn gewünscht, füllen die Mitarbeitenden die Ware in selbst mitgebrachte Dosen. Auch im Supermarkt ist dies beispielsweise bei Käse an der Frischtheke möglich. Ebenso beim Coffee-to-go: auch hier ist das Mitbringen eines eigenen Thermobechers unproblematisch. Einige Kaffeeketten honorieren dieses umweltbewusste Verhalten sogar mit Rabatten. Das Brot und andere Backwaren, gekauft beim kleinen Bäcker um die Ecke, verpacken die Verkäufer in Papier. Milch oder Joghurt gibt es auch in Mehrwegflaschen und -gläsern. Bei Quark und Sauerrahm ist dies leider nicht der Fall. Ebenso schwierig wird es im Supermarkt bei Obst und Gemüse, auch wenn vieles lose angeboten wird und es in Papiertüten abgefüllt werden kann. Gerade Bioprodukte sind hier in Plastik verpackt. Grund dafür ist, dass Läden, welche konventionelles und Bio-Obst bzw. -Gemüse verkaufen, aufpassen müssen, dass sich beides nicht vermischt. Um dieser Vorgabe gerecht zu werden, greifen die Händler auf Plastikverpackungen zurück. Eine Lösung besteht darin, das Obst und Gemüse auf Wochenmärkten oder im Bio-Laden zu kaufen. Eine andere und noch sehr neue Lösung sind die Ohne-Läden. Das sind Geschäfte, welche ihre Waren verpackungsfrei anbieten.

Life in plastic, isn’t fantastic! Um die Umwelt und auch unsere eigene Gesundheit zu schützen, ist es unumgänglich, den Plastikmüll zu reduzieren. Die EU-Richtlinie ist dabei nur eine Anregung zum umweltbewussten Verhalten. Jeder von uns muss selbst ein Stückchen dazu beitragen.

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