Künstliche Befruchtung: Kosten, Methoden, Erfolgschancen

Künstliche Befruchtung: Kosten, Methoden, Erfolgschancen

Für viel Paare ist künstliche Befruchtung die letzte Hoffnung, um ihren Kinderwunsch zu erfüllen. Dafür gibt es mehrere Methoden, die sich in den Kosten und der Aussicht auf Erfolg unterscheiden.

Meine Freundin mit dem Kinderwunsch

Am vergangenen Wochenende habe ich mich seit Längerem mal wieder mit einer guten Freundin getroffen. Sie hatte sich in letzter Zeit etwas zurück gezogen. Als ich sie darauf ansprach, erzählte sie mir von ihrem Problem: Schon seit fast zwei Jahren hibbeln ihr Freund und sie, aber eine Schwangerschaft kündigt sich einfach nicht an. Nach den ersten Untersuchungen im Kinderwunschzentrum steht jetzt auch das Thema künstliche Befruchtung im Raum.

Weil sie das Ganze sehr mitnimmt, habe ich ihr angeboten, dass ich mich ein bisschen über künstliche Befruchtung schlau mache, vor allem was die unterschiedlichen Methoden und ihre Kosten betrifft. Da ich einiges an Informationen zusammen getragen habe, lasse ich euch auch daran teilhaben.

Formen der künstlichen Befruchtung

Es gibt verschiedene Gründe, warum Paare eine künstliche Befruchtung in Betracht ziehen. Oft hört man in diesem Zusammenhang zum Beispiel vom Polyzystischen Ovarsyndrom (PCOS). Diese Krankheit führt vereinfacht gesagt zu Zyklusstörungen, die eine Schwangerschaft auf natürlichen Wege schwer bis unmöglich machen. Eine kleine Hilfe beim Erkennen deines Zyklus kann der OvulaRing sein.

Weltweit sind schon über 6,5 Million Kinder durch künstlichen Befruchtung entstanden (Stand: 2016). Dabei gibt es verschiedene Methoden, die Eizelle mit dem Samen zu verschmelzen. Allgemein kann man diese einteilen in:

  • künstliche Befruchtung außerhalb des Körpers (IVF, ICSI)
  • künstliche Befruchtung innerhalb des Körpers (bspw. GIFT, IVF IVM)

Was sich hinter diesen Abkürzungen verbirgt, erklären wir euch im Folgenden.

Künstliche Befruchtung im Glas

Diese Methode der Kinderwunsch-Behandlung ist wahrscheinlich am Bekanntesten. Kein Wunder, wird sie doch schon seit über 40 Jahren erfolgreich durchgeführt.

In-vitro-Fertilisation (IVF)

Der Name „In-vitro-Fertilisation“ ist die lateinische Umschreibung für „Befruchtung im Glas.“ Bei der klassischen Form der IVF wird die Eizelle in einem Reagenzglas mit dem Sperma zusammengebracht. So findet eine spontane Befruchtung statt: Wie im weiblichen Körper machen auch hier die schnellsten und mobilen Spermien das Rennen.

Anschließend werden zwei so befruchtete Eizellen in die dafür vorbereitete Gebärmutter gebracht. Die Chance, durch die künstliche Befruchtung per IVF ein Kind zu bekommen, liegt bei 15 bis 20 Prozent pro Versuch.

Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI)

Die ICSI ist eine Unterform der IVF. Dabei wird eine einzelne Samenzelle direkt in die Eizelle gespritzt. Somit gelingt eine solche künstliche Befruchtung fast immer. Eine ICSI führt man vor allem dann durch, wenn Versuche einer IVF bislang erfolglos waren oder das Sperma des Mannes eine schlechte Qualität aufweist. Sollte sich im Ejakulat gar kein Sperma nachweisen lassen, gibt es noch die Möglichkeit, Samenzellen aus den Hoden zu gewinnen (TESE-ISCI). Allerdings mildert eine TESE-Behandlung die Erfolgschancen der ISCI von rund 20 auf höchstens 15 Prozent.

Insemination: Künstliche Befruchtung im weiblichen Körper

Insemination bedeutet schlichtweg „Samenübertragung“. Damit sind alle Methoden gemeint, den männlichen Samen in die Geschlechtsorgane der Frau zu bringen, während sie fruchtbar ist. Zu dieser Form der künstlichen Befruchtung zählen:

  • Intrauterine Insemination (IUI): Sperma wird bis in die Gebärmutter gebracht
  • Intracervical Insemination (ICI): Sperma wird bis in den Gebärmutterhals gebracht
  • Intratubal Insemination (ITI): Sperma wird in den Eileiter gebracht
  • Intrauterine Tuboperitoneal Insemination (IUTPI): Sperma wird sowohl in die Gebärmutter als auch in den Eileiter gebracht.

Die Erfolgschancen der Insemination als künstliche Befruchtung liegen bei zwischen fünf und 15 Prozent.

Weitere Methoden zur Kinderwunsch-Behandlung

Neben diesen gängigen Methoden gibt es noch drei Möglichkeiten, eine Schwangerschaft herbeizuführen, bzw. die Chancen im Rahmen künstlicher Befruchtung zu erhöhen.

Gamete Intrafallopian Transfer (GIFT)

Der englische Begriff „Gamete Intrafallopian Transfer“ wird auf deutsch mit „intratubarer Gamententransfer“ bezeichnet, also eine Übertragung von Sperma und Eizellen (Gameten) in den Eileiter (Tuba uterina). Die Eizelle wird dazu aus dem Eierstock entnommen und gemeinsam mit den Samenzellen in den Eileiter gegeben, wo die eigentliche Befruchtung stattfindet. Damit bildet die GIFT-Behandlung eine Brücke zwischen Insemination und künstlicher Befruchtung im Reagenzglas.

In-vitro-Maturation (IVM)

Auch bei der IVM passiert etwas im Reagenzglas – diesmal geht es aber allein um die Eizellen. Häufig kommt dieses Prozedere bei Frauen mit PCOS zum Einsatz: Durch die Hormonstörungen können die Eizellen nicht richtig reifen. Darum werden diese in der Petrischale zur Reifung gebracht und anschließend mittels IVF befruchtet.

Prinzip des Blastozystentransfers

Üblicherweise werden bei künstlicher Befruchtung die Embryonen am zweiten oder dritten Tag nach der Verschmelzung von Samen- und Eizelle wieder in die Gebärmutter gebracht. Beim Blastozystentransfer wartet man aber fünf Tage ab. Das entspricht dem Zeitpunkt, an dem sich auch eine auf natürlichem Wege befruchtete Eizelle in der Gebärmutter einnistet. Damit erhoffen Mediziner sich höhere Erfolgschancen, da die Embryonen, die das Blastozystenstadium erreichen, meist vitaler und einnistungsfähiger sind.

Kosten: künstliche Befruchtung und Krankenkassen

Künstliche Befruchtung ist teuer, das hört man immer wieder. Seit 2004 übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen wie die AOK die Kosten für eine Kinderwunsch-Behandlungen nur noch zur Hälfte für maximal drei Versuche. Der Rest muss in Eigenleistung bezahlt werden. Bei einer IVF oder ICS handelt es sich dabei in der Regel um rund 2.000 Euro pro Versuch.

Allerdings hat die Sache auch ein paar Haken, denn es müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein, damit die Krankenversicherung die Kosten für die künstliche Befruchtung übernimmt:

  • Ehe: Die Kosten werden nur bei verheirateten Paaren übernommen.
  • Alter: Männer müssen 25 bis 50 Jahre, Frauen zwischen 25 und 40 Jahren alt sein.
  • Gesundheit: Beide Partner müssen einen negativen HIV-Test vorweisen.
  • Erfolgschancen: Eine Schwangerschaft durch künstliche Befruchtung wird nur angestrebt, wenn diese auch Aussicht auf Erfolg hat.

Jedoch haben die Krankenversicherungen einen gewissen Spielraum: Im Rahmen der Satzungsleistungen bieten einige Krankenkassen ihren Versicherten mit Kinderwunsch auch eine Übernahme höherer Kosten an.

Bund bezuschusst weitere Kosten für künstliche Befruchtung

Seit 2012 stellt das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ebenfalls finanzielle Mittel zur Unterstützung von Paaren mit Kinderwunsch bereit. 2016 hat das Ministerium seine Richtlinien erweitert und unterstützt nun auch unverheiratete Paare. Voraussetzung für diese Unterstützung ist, dass sich das Bundesland des Hauptwohnsitzes in gleichem Maße wie der Bund an den Kosten der Kinderwunsch-Behandlung beteiligt.

Den Körper auf die künstliche Befruchtung vorbereiten

Wer ein Kind will, sollte sich darauf vorbereiten. Das gilt bei einer natürlichen Schwangerschaft, aber noch viel mehr für eine künstliche Befruchtung. Dazu zählt vor allem eine gesunde Lebensweise.

Ernährung und künstliche Befruchtung

Eine ausgewogene Ernährung erhöht die Erfolgschancen für Paare mit Kinderwunsch. Dabei nimmt sie nicht nur Einfluss auf den Eisprung, auch die Spermienqualität kann sich durch gesunde Ernährung verbessern. Das gilt vor allem für Frauen mit starkem Über- oder Untergewicht, da dieses sich negativ auf den Eisprung auswirkt. Allerdings sollten Frauen mir Kinderwunsch erst recht die Finger von Diäten lassen, da diese den Hormonhaushalt noch mehr durcheinander bringen.

Psychischer Druck

Wer sich sehnsüchtig ein Baby wünscht, baut oft starken psychischen Druck auf. Die künstliche Befruchtung und eventuelle Rückschläge dabei verstärken diesen oft. Das Problem bei der Sache ist, dass sich bei gestressten Menschen oft erst recht keine Schwangerschaft einstellt. Darum ist es wichtig, sich professionelle Hilfe zu holen. Es gibt viele Seelsorger und Therapeuten, die sich auf die Begleitung von Paaren mit Kinderwunsch spezialisiert haben.

Sport kann die Kinderwunsch-Behandlung unterstützen

Zu einer gesunden Lebensführung gehört auch regelmäßige Bewegung an frischer Luft. Vielen Menschen hilft Sport außerdem, den Kopf frei zu pusten und sich auf andere Gedanken zu bringen. Wer gerade den Prozess der künstlichen Befruchtung durchmacht, kann aber noch auf ganz andere Weise von sportlicher Betätigung profitieren.

Da ein Embryo immer zur Hälfte aus dem Genmaterial des Vaters besteht, kann es passieren, dass er als Fremdkörper im Leib der Mutter angesehen wird. Damit dieser Umstand die Schwangerschaft nicht gefährdet, muss das Immunsystem der Frau gestärkt werden. Auf medizinischer Ebene passiert das durch die Immunisierung, Ausdauersportarten wie Joggen unterstützen diese Behandlung des Immunsystems und damit die künstliche Befruchtung.

 

Ich drücke nicht nur meiner Freundin, sondern allen Paaren mit Kinderwunsch, ganz fest die Daumen, dass euer Traum bald in Erfüllung geht!

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