Notfälle bei (Klein-)Kindern und Säuglingen

Notfälle bei (Klein-)Kindern und Säuglingen

Wenn Kinder die Welt entdecken, müssen Eltern loslassen lernen. Leider kommt es auch manchmal zu Notfällen, die ein schnelles Handeln erfordern. Einige typische Notfallsituationen stellen wir Ihnen hier vor.

Notfälle bei Babys und Kindern können schnell zu einem Ohnmachtsgefühl bei Eltern oder Betreuungspersonen führen. Am wichtigsten ist es, Ruhe zu bewahren, denn nur so können Sie angemessen reagieren. Falls Sie sich unsicher fühlen, können Sie auch einen speziellen Kurs besuchen, wie er von vielen Verbänden und Organisationen, wie der Johanniter Unfallhilfe e. V. oder dem DRK, angeboten wird. Da es eine Vielzahl von Notfällen gibt, beschränken wir uns heute nur auf einige.

Fieber und Fieberkrampf

Die normale Körpertemperatur liegt bei 36,5 bis 37,5° C. Bei 38 bis 39° C spricht man von mäßigem Fieber. Ab 39° C gilt die Temperatur als hohes Fieber. Zur Fiebersenkung eignen sich Wadenwickel oder gegebenenfalls Paracetamol oder Ibuprofen Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker, um die richtige Dosis für Ihr Kind zu finden! Aspirin eignet sich erst für Kinder ab 12 Jahren. Neugeborene und Säuglinge bis zu einem Alter von sechs Monaten sollten bei erhöhter Temperatur immer umgehend von einem Arzt untersucht werden. Ein Fieberkrampf kann in der frühen Kindheit (6. Monat bis 5. Lebensjahr) im Zusammenhang mit einem plötzlichen Fieberanstieg auftreten. Es kann zu einem plötzlichen Bewusstseinsverlust und rhythmischen Muskelzuckungen kommen. Dies dauert in der Regel nicht länger als ein paar Minuten. Dies kann bei Kindern, die eine Veranlagung dazu haben, häufiger auftreten und hat nichts mit epileptischen Krampfanfällen zu tun. Bewahren Sie Ruhe und lagern Sie das Kind weich, sodass es sich nicht verletzen kann. Versuchen Sie nicht das Kind festzuhalten oder zu schütteln. Beim ersten Fieberkrampf, oder wenn das Kind länger als 5 Minuten krampft, sollten Sie umgehend einen Arzt kontaktieren.

Stürze und Schädel-Hirn-Trauma

Stürze können schnell passieren und zu verschiedenen Verletzungen führen, wie Gehirnerschütterung, -prellung, -quetschung, Schädelbruch oder Hirnblutung. Die Anzeichen eines Schädel-Hirn-Traumas (SHT) können direkt nach dem Unfall oder innerhalb von 48 Stunden auftreten. Anzeichen sind: Bewusstseinsstörungen wie z. B.

  • Erinnerungslücken bei kurzzeitiger Bewusstlosigkeit,
  • Bewusstseinstrübung, auffallende Müdigkeit,
  • Schwindel, Übelkeit, Erbrechen,
  • Kopfschmerzen,
  • beim Säugling auch schrilles Schreien, starke Unruhe oder eine gespannte Fontanelle.

Bei Stürzen sollten Sie überprüfen: Ist das Kind sofort ansprechbar, orientiert und ohne äußeren Verletzungen? Sollten die oben genannten Symptome auftreten, sollte das Kind in der Kinderklinik überwacht werden. Bei Verdacht auf Wirbelsäulenverletzung sollte Kind nicht ohne zwingenden Grund hochgehoben werden! Bei Bewusstlosigkeit sofort Notarzt verständigen!

Atemnot: Pseudokrupp und Epiglottitis

Der Pseudokrupp (Krupp-Syndrom) ist eine Störung der Einatmung, die durch eine akute Verengung im Bereich des Kehlkopfes bedingt ist.

Pseudokrupp durchläuft verschiedene Stadien. Im 1. Stadium treten Heiserkeit und bellender Husten auf. Ein Anfeuchten der Luft (z.B. Badezimmer) kann Linderung bringen. Wirken Sie beruhigend auf das Kind ein. Im 2. Stadium treten geräuschvolles Einatmen und zunehmende Atemnot auf. Suchen sie umgehend einen Arzt auf. Bei Eintreten des 3. Stadiums, also zunehmender Unruhe, „Lufthunger“, schnellem Puls, teils Blausucht, teils Blässe sollten Sie sofort einen Notarzt rufen, da Lebensgefahr besteht.

Bei Epiglottitis wirkt das Kind plötzlich schwer krank. Eine Untersuchung bzw. Manipulation des Rachens kann sofort zu Atemstillstand führen! Wirken Sie beruhigend auf das Kind ein und rufen Sie einen Notarzt.

PseudokruppEpiglottitis
Heiserkeitkloßige Sprache
bellender Hustenkein Husten
keine SchluckstörungenSchluckstörung
kein SpeichelflussSpeichel läuft aus dem Mund
mäßiges Fieber (38° C)hohes Fieber (40° C)
häufig im Anschluss an Infektplötzliches Auftreten, ohne Infekt

Eingeatmete Fremdkörper

Entfernen Sie den atmungsbehindernden Gegenstand, soweit er erreichbar ist. Aber stochern Sie nicht blind im Rachenraum herum, da der Gegenstand so weiter hineinrutschen kann. Beruhigen Sie das Kind und lassen Sie es kräftig husten. Sie können das Hochhusten unterstützen, indem Sie das Kind über Knie oder Unterarm legen und dann mit der flachen Hand bis zu fünf Mal maßvoll zwischen die Schulterblätter schlagen, um einen Hustenreflex auszulösen. Immer beim Husten klopfen, nie in die der Einatmung! Wenn der Gegenstand hochgehustet wurde, können Sie diesen aus dem Mund entfernen. Wenn der Fremdkörper weiterhin in den Luftwegen des Kindes ist oder sich die Atmung nicht normalisiert, sollten Sie sofort den Rettungsdienst verständigen.

Verschluckte Fremdkörper

Etwa 75 Prozent aller Fremdkörper verlassen den Magen-Darm-Trakt nach 72 Stunden auf natürlichem Wege, ohne dass wesentliche Symptome entstehen. Auch mehrere Tage und Wochen sind möglich. Hinweise auf Komplikationen sind anhaltendes Erbrechen, Bluterbrechen oder Verstopfung. Perforationen sind sehr selten. Bei gutem Allgemeinzustand sollten Sie zunächst abwarten und den Stuhl untersuchen. Falls der Fremdkörper nicht auftaucht oder Komplikationen entstehen, sollten Sie zum Kinderarzt gehen. Sehr gefährlich ist hingegen das Verschlucken kleiner Knopfbatterien durch die Freisetzung von Kali und Natronlauge sowie das Verschlucken magnetischer Spielzeuge. Konsultieren Sie umgehend einen Arzt!

Verbrennungen und Verbrühungen

Bei kleineren Verbrühungen sollten die Kleider sofort entfernt werden, denn sie speichern Hitze. Bei Verbrennungen dürfen die Kleider nur entfernt werden, wenn sie nicht an der Haut haften. Die betroffene Körperstelle sollte unter lauwarmem Wasser mindestens 10 bis 20 Minuten gekühlt werden. Kleine Verbrennungen oder Verbrühungen geringen Grades (ohne Blasenbildung) kann man an der Luft heilen lassen (nicht mit einem Pflaster oder Verband abdecken). Auf keinen Fall sollten Sie „Hausmittel“ wie Salben, Puder, Öle, Desinfektionsmittel etc. anwenden! Bei großflächigen Verbrennungen oder Verbrühungen, d.h,. wenn über 8 Prozent der Körperfläche betroffen ist, und Verbrennungen des 2. oder 3. Grades vorliegen, muss die Verletzung in einer Klinik behandelt werden. Zudem besteht dann immer die akute Gefahr einer Unterkühlung und eines Schocks. Als Faustregel gilt, dass die Innenfläche der Hand (einschließlich der Finger) ungefähr 1 Prozent der Körperoberfläche entspricht.

  1. Grad: Hautrötung, evtl. leichte Schwellung, Schmerzen
  2. Grad: Hautrötung, Blasenbildung, Schmerzen
  3. Grad: Nekrose der Haut (Schwarzfärbung, evtl. mit weißlichen Randbezirken). Möglicherweise bestehen keine Schmerzen, da durch eine solche starke Verbrennung oft auch die Nervenzellen zerstört werden.

Fazit

Verletzungen im Kindesalter sind so gut wie nicht vermeidbar, da Kinder neben den typischen Kinderkrankheiten beim Entdecken der Welt leicht stürzen oder sich mal verbrennen können. Das Wichtigste ist immer, Ruhe zu bewahren und die Notfallnummern parat zu haben. Sorgen Sie dafür, dass diese auch Betreuungspersonen, wie dem Babysitter, zur Verfügung stehen. Eine Liste kann zum Beispiel an zentraler Stelle, wie an der Kühlschranktür, angebracht werden.

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