Schwanger trotz Essstörung?

Schwanger trotz Essstörung?

Essstörungen beginnen bei den meisten im Kindes- oder Jugendalter. Werden Sie nicht behandelt, können sie vor allem Frauen bis ins Erwachsenenalter begleiten. Was bedeutet das für eine Schwangerschaft?

Während etwa 20 Prozent aller Heranwachsenden unter einer Essstörung leiden, gehen Schätzungen bei der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland davon aus, dass 0,5 bis 1 Prozent der Männer und Frauen an Magersucht und 2 bis 4 Prozent an Bulimie leiden. Oft Entstehen solchen Störungen in der Pubertät, wo man vom Kind zum Erwachsenen wird. Der Körper verändert sich und die Anforderungen werden immer größer. Als Vorbilder gelten hier oft Models und Stars. Viele bedenken dabei nicht, dass diese unwirklichen Schönheitsvorbilder das Produkt von Stylisten, Maskenbildnern, Lichttechnikern, Fotografen und Fotobearbeitungsprogrammen sind. Durch Tricks und Technik schafft man Idole mit makelloser Haut, perfekten Körpern und einer großartigen Ausstrahlung. Die immer höheren Ansprüche an Leistung und Aussehen können Jugendliche in psychische Störungen und Essstörungen treiben.

Wie entsteht so eine Krankheit?

Eine Essstörung fängt meist ganz harmlos an, z. B. wenn jemand eine Diät anfängt und einfach nicht mehr aufhören kann abzunehmen. Betroffene leiden oft unter einer gestörten Selbstwahrnehmung. Magersüchtige sehen gar nicht, dass sie viel zu dünn sind. Sie schauen in den Spiegel und denken: „Ich bin zu dick.“ Durch die Medien werden falsche Vorbilder geschaffen, von denen sich gerade junge Erwachsene auf dem Weg zu ihrer Persönlichkeitsentwicklung beeinflussen lassen. Essstörungen können so zum Ventil und Bewältigungsmechanismus werden, denn hier haben Betroffene das Gefühl, die Macht und Kontrolle zu behalten, indem sie selbst bestimmen was in den Körper hineinkommt und wieder heraus. Vor Familienmitgliedern und Freunden wird diese Essstörung zumeist verheimlicht. Besonders Bulimiekranke schämen sich für ihr Verhalten und wollen unter allen Umständen verhindern, dass es jemand mitbekommt, wenn sie zunächst alles in sich hineinstopfen, um es dann wieder zu erbrechen oder abzuführen. Alle Essstörungen haben jedoch gemeinsam, dass sich die Gedanken von Erkrankten nur noch um Essen bzw. Nicht-Essen drehen. Damit das von der Norm abweichende Verhalten nicht auffällt, kapseln sich Betroffene immer mehr von ihrer Umwelt ab und ziehen sich zurück.

Welche Anzeichen gibt es?

Neben den offensichtlichsten Anzeichen, nämlich einer Figur, die zu füllig oder zu dünn ist, gibt es noch weitere versteckte Anzeichen und Verhaltensweisen, die auf eine Essstörung hinweisen können. Betroffene schämen sich in der Regel für ihr Essverhalten, deshalb versuchen sie es zu verstecken.

Magersüchtige halten sich z. B. von Situationen fern, in denen es ums Essen geht. Viele Betroffene sind zudem sportfanatisch. Wie Getriebene machen sie so viel Sport wie möglich, um auf keinen Fall zuzunehmen. Außerdem versuchen sie oft, ihren Körper zu verstecken und tragen mehrere Kleidungsstücke übereinander.

Menschen, die unter Bulimie oder Essanfällen leiden, essen sehr große Mengen. Eine Portion könnte z. B. aus einer Packung Nudeln (500 g) mit Sauce und einer ganzen Torte bestehen. Diese großen Mengen werden aber meistens heimlich gegessen und nicht in Gesellschaft. Die Binge Eater nehmen dabei immer weiter zu und werden dicker, aber die Bulimiekranken behalten ihre Figur, da sie alles wieder erbrechen oder abführen. Bulimiekranke verschwinden oft direkt nach dem Essen auf die Toilette um zu erbrechen. Durch das häufige Erbrechen werden die Zähne immer schlechter, denn die Magensäure greift den Zahnschmelz an.

Was bedeutet eine Essstörung für die Schwangerschaft?

Für magersüchtige Frauen ist es sehr schwer, ohne medizinische Hilfe schwanger zu werden, so der Gynäkologe Dr. Ralph Kästner. Frauen, die magersüchtig sind, haben oft keine Menstruation und keinen Eisprung. Sie brauchen eine Hormontherapie und künstliche Befruchtung, um überhaupt schwanger zu werden. Frauen, die an Bulimie erkrankt sind, haben dieses Problem zwar nicht, aber auch hier ist der Körper durch den Wechsel von Essen und Erbrechen strapaziert. Die Unterernährung ist für das Baby nicht so gefährlich, wie man erwarten würde, denn es holt sich alles, was es braucht. Dies führt natürlich zu einer zusätzlichen Schwächung der Schwangeren. Nach der Geburt hat die Hebamme eine wichtige Kontrollfunktion, denn Essgestörte können oft nicht einschätzen, welche Nahrungsmenge das Baby benötigt.

Wo bekomme ich Hilfe?

Für Freunde oder Familie ist es zumeist sehr schwer, überhaupt zu erkennen, dass jemand ein Problem hat. Und selbst wenn sie es erkennen, sind sie oft hilflos. Wichtige Anlaufstellen für Betroffene sind zunächst Ärzte oder Informationsstellen, wie z. B. die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA), das Frankfurter Zentrum für Essstörungen, ANAD e.V., der Bundesfachverband für Essstörungen e.V. (http://www.bundesfachverbandessstoerungen.de/) oder NAKOS. Auch die Krankenkasse kann eine Anlaufstelle sein. Wichtig ist, dass Sie keine Zeit verstreichen lassen, denn je früher eine Essstörung behandelt wird, desto größer ist die Chance auf Heilung.

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