Die Schwangerschaftsvergiftung – Gestose

Die Schwangerschaftsvergiftung – Gestose

Verschiedene Krankheiten in der Schwangerschaft werden unter den Gestosen zusammengefasst. Die ersten Anzeichen sollten ernst genommen werden, um ein Risiko für das Ungeborene und die Mutter zu minimieren.

Unter dem Überbegriff Gestose werden verschiedene Erkrankungen zusammengefasst, welche nur in der Schwangerschaft auftreten. Diese unterschiedlichen Krankheitsbilder können sich durch eine Vielzahl von Symptomen äußern. Die Krankheitsanzeichen können erstmalig in der Schwangerschaft auftreten oder auf bereits bestehende Erkrankungen der Schwangeren zurück zu führen sein. Sie verstärken sich durch die Mehrbelastung des mütterlichen Organismus in der Schwangerschaft. Bis heute sind die genauen Auslöser der Schwangerschaftsvergiftung nicht bekannt. Es handelt sich jedoch nicht um eine Vergiftung im eigentlichen Sinne, wie der Name vermuten lässt.

Unterschieden wird nach der frühen und späten Gestose, je nachdem, wann die ersten Symptome auftreten. Zu den Frühgestosen gehören die Schwangerschaftsübelkeit in ihrer mäßigen (Emesis gravidarum) und starken Ausprägung (Hyperemesis gravidarum). Zu den Spätgestosen zählt man die Präeklampsie und die schwerer verlaufenden Formen Eklampsie, welche mit Blutdruckerhöhungen, Eiweißausscheidungen, Wassereinlagerungen, Leber- oder Nierenfunktionsstörungen einhergehen.

Schwere Schwangerschaftsübelkeit

Fast alle Schwangeren neigen in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten mehr oder weniger zu einem flauen Gefühl im Magen, Übelkeit und gelegentlichem Erbrechen. Anders als bei dieser „normalen“ Schwangerschaftsübelkeit ist die Ausprägung der sogenannten Hyperemisis gravidarum sehr stark. Anzeichen sind starke Geruchsempfindlichkeit und Würgereiz, erhöhte Sensibilität bei Geräuschen und Licht, Mattigkeitsgefühl und erhöhte Herzfrequenz. Das übermäßige Erbrechen wird von den Betroffenen als sehr belastend wahrgenommen. Häufiges Erbrechen kann zu Mangelerscheinungen und Störungen im Wasser- und Mineralstoffhaushalt führen. Im Extremfall sind Infusionen nötig, um den Flüssigkeits- und Nährstoffbedarf der schwangeren Frau zu decken.

Präeklampsie

Die Präeklampsie ist durch die typischen oben genannten Symptome wie erhöhter Blutdruck und Wassereinlagerungen gekennzeichnet. Die Erkrankung zeigt sich erst in der zweiten Schwangerschaftshälfte. Ganz selten tritt die Präeklampsie in der ersten Hälfte der Schwangerschaft auf.

Die Präeklampsie kann in verschiedenen Schweregraden vorkommen. Eine leichte Präeklampsie kommt relativ häufig vor, etwa eine von zehn Erstgebärenden ist davon betroffen. Die leichte Form wird von den Schwangeren kaum bemerkt. Der Frauenarzt oder die Hebamme kann Anzeichen der Präeklampsie feststellen. Aus diesem Grund wird bei jeder Untersuchung der Blutdruck gemessen und der Urin auf Eiweiß getestet. Je nach Schweregrad der Präeklampsie sieht die Behandlung ein wenig anders aus. Regelmäßige Blutdruckkontrollen sind bei allen Formen wichtig. Steigt der Blutdruck zu stark an, werden Blutdruck senkende Medikamente eingesetzt. Bei einer schweren Präeklampsie wird die Schwangere zur engmaschigen Kontrolle ins Krankenhaus eingewiesen.

Eklampsie

Dies ist ein seltener aber gefährlicher Zustand, bei dem Krampfanfälle auftreten und die Gesundheit des ungeborenen Babys und der Mutter gefährdet sind. Die Eklampsie kann während der Schwangerschaft und der Geburt entstehen, aber auch noch in den Tagen danach. Die Schwangere muss sofort in ein Krankenhaus gebracht werden. Es kann zu Komplikationen wie akutem Nierenversagen, Hirnödem, Thrombosen, Netzhautschäden, Blutungen und Plazentainsuffizienz kommen. Anzeichen für die Eklampsie sind Augenflimmern, Unwohlsein, starke Kopfschmerzen und Krampfanfälle.

HELLP-Syndrom

Lange Zeit hat man das HELLP-Syndrom als schwerste Komplikation einer Gestose/Präeklampsie angesehen. Heute weiß man jedoch, dass es auch ohne vorherige Gestose-Symptome ganz plötzlich auftreten kann.

Bei dem HELLP-Syndrom handelt es sich um einen Begriff, der 1982 durch Dr. Louis Weinstein an Hand der folgenden Symptome geprägt wurde:

  • H        Hämolysis – Blutzerfall
  • EL       Elevated Liverenzymes – erhöhte Leberwerte
  • LP       Low Platelet count – niedrige Blutplättchenzahlen

Ein voll ausgebildetes HELLP-Syndrom gefährdet das Leben von der Mutter und dem Ungeborenen. Deshalb entscheiden sich die Ärzte meistens zu einer sofortigen Entbindung per Kaiserschnitt. Oftmals muss die Mutter intensivmedizinisch versorgt werden. Die Auslöser des HELLP-Syndroms sind bis heute nicht eindeutig geklärt. Es entwickelt sich oft innerhalb weniger Stunden und macht sich durch Schmerzen im rechten Oberbauch sowie Schwellungen und Wassereinlagerungen an den Extremitäten und / oder im Gesicht bemerkbar. Auch Sehstörungen, eine Gelbfärbung der Haut, plötzliche Übelkeit, Durchfall und Erbrechen oder heftiges Hautjucken können darauf hinweisen, dass die Schwangere ein HELLP-Syndrom entwickelt. Vorbeugemaßnahmen gibt es bisher nicht. Glücklicherweise handelt es sich bei dem HELLP-Syndrom um eine seltene Erkrankung, die statistisch gesehen nur bei 0,2 bis 0,85 Prozent aller Schwangerschaften auftritt.

Wichtig: Früherkennungsuntersuchungen wahrnehmen

Da es bis heute keine wirksame Prävention für die verschiedenen Gestosen gibt, ist es besonders wichtig, die Früherkennungsuntersuchungen in der Schwangerschaft wahrzunehmen. Die ärztliche Betreuung während der Schwangerschaft und nach der Entbindung ist in den Mutterschafts-Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) festgelegt. Die Richtlinien enthalten Art und Umfang der ärztlichen Betreuung und stellen sicher, dass Schwangere nach aktuellen medizinischen Kenntnissen behandelt werden. Die meisten Früherkennungsuntersuchungen können von Ärzten oder Hebammen durchgeführt werden. Davon ausgenommen sind Ultraschalluntersuchungen, die in gynäkologischen Praxen durchgeführt werden.

Achten Sie außerdem auf eine abwechslungsreiche und ausgewogene Ernährung, körperliche Bewegung und genügend Entspannung.

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