Risiko grünes Fruchtwasser

Grünes Fruchtwasser: Wie gefährlich ist es?

Bei vielen werdenden Müttern schleicht ein Schreckgespenst durch die Gedanken und sorgt für schlaflose Nächte: grünes Fruchtwasser. Doch ist es wirklich so gefährlich?

Warum wird das Fruchtwasser grün?

Die Ursache für grünes Fruchtwasser ist, dass dein ungeborenes Baby bereits seinen ersten Stuhlgang hatte. Dieser hat eine grün-schwarze Farbe und ist relativ zäh. Im Volksmund ist deswegen auch oft von „Kindspech“ die Rede, der Fachbegriff ist „Mekonium“.

Bei vielen Babys tritt dieser Stuhlgang in den ersten beiden Lebenstagen auf. Also keine Angst beim Wickeln: Diese auf den ersten Blick ungewöhnliche Konsistenz und Farbe ist völlig normal. Bei wenigen Geburten kann das Fruchtwasser jedoch bereits grün sein, weil der erste Stuhlgang schon stattgefunden hat.

Das passiert durch eine niedrige Sauerstoffzufuhr während des Geburtsvorgangs, also bei den ersten Wehen in der Eröffnungsphase. Dadurch wird beim Ungeborenen der Darm schlechter durchblutet. Daraufhin verstärken sich die Darmbewegungen und der Schließmuskel erschlafft. Dies führt letztlich zur vorzeitigen Ausscheidung.

Ursachen für grünes Fruchtwasser

Es gibt viele Auslöser für einen verfrühten Stuhlgang des Kindes. In folgenden Fällen kann es besonders häufig auftreten:

  • Übertragen: Entbindung nach dem errechneten Geburtstermin
  • sehr langwierige Geburt: zum Beispiel bei Wehenschwäche oder Geburtsstillstand
  • kindlicher Stress während der Geburt: bspw. äußerst starke Geburtswehen oder geminderte Sauerstoffzufuhr beim Baby
  • Infektionen während der Schwangerschaft
  • Wachstumsstörungen des Kindes
  • Fehlbildungen der Nabelschnur
  • chronische mütterliche Erkrankungen: Diabetes mellitus oder Bluthochdruck
  • Konsum von Zigaretten, Alkohol oder Drogen während der Schwangerschaft

Diese Punkte können neben dem frühen Ausscheiden von Kindspech noch andere Folgen haben. Doch kann grünes Fruchtwasser zu weiteren Schwierigkeiten führen?

Komplikationen während und nach der Geburt durch grünes Fruchtwasser

Laut verschiedenen wissenschaftlichen Publikationen der letzten Jahre werden etwa 13 Prozent aller Neugeborenen aus grünem Fruchtwasser geboren. Bei rund 90 bis 95 Prozent der betroffenen Kinder kommt es während sowie nach der Geburt zu keinerlei Komplikationen. Sollten dich die Ärzte im abschließenden Geburtsbericht also darüber aufklären, dass das Fruchtwasser grün war, kannst du erst einmal unbesorgt sein. Es handelt sich eher um eine harmlose Ausnahmesituation.

Dein Team aus Hebamme und Ärzten kann eine auffällige Verfärbung deines Fruchtwassers bei einem vorzeitigen Blasensprung oder sogar schon im letzten Ultraschall vor dem errechneten Geburtstermin erkennen. In diesem Fall überwachen sie mittels Kardiotokografie (CTG) die Herztöne des Babys. Bei einem auffälligen CTG erwägen die Geburtshelfer meist einen Kaiserschnitt zum Schutz von Mutter und Kind.

Der größte Teil aller Geburten mit grünem Fruchtwasser läuft also sorgenfrei ab. Nur äußerst selten tritt das Mekoniumsaspirationssyndrom beim Baby auf.

Was ist das Mekoniumsaspirationssyndrom (MAS)?

Mit Mekoniumsaspirationssyndrom (oder kurz: MAS) bezeichnen Mediziner die Atemnot bei neugeborenen Babys, die vor oder während der Entbindung verfrühten Stuhl (Mekonium) im Mutterleib eingeatmet haben. Dieser eingeatmete Kot kann die Lunge sowie die Lungenbläschen verkleben und so beim Kind Atembeschwerden hervorrufen.

Ursache dafür ist oft eine durch Sauerstoffmangel hervorgerufene Schnappatmung. Diese tritt bei etwa fünf bis zwölf Prozent der Babys aufgrund des hohen Geburtsstresses auf. Um dir die Angst ein wenig zu nehmen: Es sind nicht alle Babys gleich von MAS betroffen, weil sie ein wenig grünes Fruchtwasser eingeatmet haben.

Anzeichen von MAS und Behandlung

In diesem Fall untersuchen die Hebammen und Ärzte das Neugeborene noch intensiver als bei Geburten mit klarem Fruchtwasser. Zur Diagnose achten sie als erstes auf folgende Anzeichen:

  • mit Mekonium verschmierte Haut oder Hautfalten
  • Kindspech in Ohren, Mund und Rachen oder den Nasenlöchern
  • grünliche Haut, Nabelschnur oder Fingernägel: Dann liegt der Mekoniumabgang bereits weiter zurück.
  • Schlaffheit: stark herabgesetzte Muskelspannung
  • anormale oder keine Atmung: Mühe beim Atmen, grunzende Geräusche

Um weitere Komplikationen zu verhindern, saugen Mediziner dem Baby so früh wie möglich Mund, Rachen und Lunge gründlich aus. Dies geschieht in der Regel bereits, sobald der Kopf und die Schultern aus der Scheide ausgetreten sind. Danach würden die Ärzte die Bronchien allenfalls spülen, um die kindliche Lungenfunktion zu unterstützen.

Grünes Fruchtwasser: Wie geht es weiter?

Ihr habt es geschafft: Dein kleiner Sonnenschein ist da! Im weiteren Verlauf werden die Hebammen dein Kind und dich genauestens beobachten. Doch du kannst ganz beruhigt sein. Zwar kann grünes Fruchtwasser neben dem MAS auch zu bakteriellen Entzündungen bei den Müttern führen – für all diese sehr unwahrscheinlichen Fälle gibt es aber eine Vielzahl von Behandlungsmöglichkeiten. Du bist bei deinem Team aus Geburtshelfern und Medizinern also in den besten Händen. So könnt ihr schon bald nach der Entbindung das Krankenhaus verlassen und als frischgebackene Familie in die Baby-Flitterwochen starten.

 

Wir hoffen, dir die Angst vor möglichen Problemen durch grünes Fruchtwasser etwas genommen zu haben. Versuche, dich während deiner Schwangerschaft auf die positiven Seiten zu konzentrieren. So wirst du nachts wieder beruhigt schlafen können. Bist du dennoch einmal unsicher, sprich mit deiner Hebamme oder deinem Frauenarzt.