Feindiagnostik ist nicht nur Babyfernsehen

Feindiagnostik ist nicht nur Babyfernsehen

Viele Schwangere freuen sich darauf, ihr Baby bei der Feindiagnostik „in echt“ zu sehen. Das ermöglicht der hochsensible Ultraschall. Dabei vergessen jedoch viele den ernsten Hintergrund dieser Untersuchung.

Feindiagnostik – Was ist das?

Die Feindiagnostik ist eine Ultraschalluntersuchung, die im Rahmen der sogenannten Pränataldiagnostik durchgeführt wird. Im Zeitraum zwischen der 19. und 22. Schwangerschaftswoche wird das Baby mit einem besonders hochauflösenden Ultraschall untersucht. Sie wird durchgeführt, um ein ganzheitliches Bild über den Zustand des ungeborenen Kindes zu erhalten.

Wie ist die Feindiagnostik formell organisiert?

Die Feindiagnostik ist eine freiwillige Untersuchung und kann nur von speziell ausgebildeten Gynäkologen durchgeführt werden. Sollte deine Frauenärztin keine Kontrolle mit 3D- oder 4D-Ultraschall durchführen, kann sie dir eine Überweisung zum entsprechenden Kollegen ausstellen. Die Kosten schwanken je nach Untersuchung zwischen 20 und über 200 Euro. Sie werden nicht in allen Bundesländern von der Krankenkasse übernommen. Informiere dich dazu vorher bei deinem Arzt und deiner Krankenversicherung.

Was wird beim Feinultraschall gemacht?

Zuerst werden bestimmte Körperteile wie Oberschenkelknochen oder der Kopf vermessen. Dieser Teil der Ultraschallkontrolle nennt sich Biometrie. Danach folgt eine Untersuchung der inneren Organe. Aber auch die Wirbelsäule, Gliedmaßen, Kopf und Nacken sowie der Bauch werden genau bei der Feindiagnostik betrachtet.

Daran schließt sich meistens die Farbdoppleruntersuchung an. Sie erlaubt Rückschlüsse auf eventuelle Fehlbildungen des Herzens. Abschließend schaut sich der durchführende Arzt die fetomaternalen Gefäße an. Er achtet dabei auf die Funktion von Plazenta und Nabelschnur und ob sie das Baby optimal versorgen.

Wie erfolgt die Untersuchung?

Die Feindiagnostik erfolgt ganz ähnlich wie der herkömmliche Ultraschall. Der Frauenarzt führt einen Kegel über die Bauchdecke der Mutter. Auf einem Bildschirm kann er gemeinsam mit den Eltern das Kind betrachten. Mittlerweile sind die Geräte so genau, dass man sogar Einzelheiten wie das Gesicht erkennen kann. Wenn du das Geschlecht des Kindes nicht wissen willst, solltest du das dem Arzt also vor der Ultraschalluntersuchung auf jeden Fall sagen. So kann er euch im entscheidenden Moment einen Hinweis geben, damit ihr euch wegdreht.

Manche Ärzte bieten auch die Möglichkeit an, eine Videokassette mitzubringen und die Untersuchung aufzuzeichnen. Die meisten Eltern gehen aber mit einem Foto des ungeborenen Kindes nach Hause. Wie immer gilt bei ärztlichen Kontrollen: Bei Fragen – fragen!

Braucht du die Feindiagnostik wirklich?

Über den Sinn der Feindiagnostik gehen die Meinungen auseinander. Fakt ist, dass es sowohl Ärzten als auch den zukünftigen Eltern Einschätzungen über den Gesundheitszustand ermöglicht. Oft endet die Untersuchung mit einem unauffälligen Befund. Das kann vor allem ängstlichen Schwangeren helfen, die Kugelzeit unbeschwerter zu genießen.

Allerdings kann das Ergebnis auch anders ausfallen. Die Messung von Nackenfalten und Oberschenkelknochen nehmen Ärzte zum Beispiel vor, weil diese Körperpartien Hinweise auf Trisomie 21 liefern. Auch eine Kiefer-Gaumen-Spalte kann beim Feinultraschall erkannt werden. Eine solche Diagnose hilft den Eltern, sich schon vor der Geburt darauf einzustellen. Darauf gibt es aber meist vor dem Feinultraschall bereits Hinweise.

Allerdings kann ein Befund auch trotz 3D-Ultraschall fehlerhaft sein. Darum solltest du bei Unsicherheit noch eine zweite oder sogar dritte Meinung einholen. So rät zwar kaum ein Mediziner von der Feindiagnostik ab – jedoch geben viele zu bedenken, dass manche Schwangere ohne die Untersuchung besser lebt, als wenn ein zweifelhaftes Ergebnis die Schwangerschaft überschattet. Vor allem dann, wenn schließlich ein kerngesundes Kind zur Welt kommt.

Gibt es schon vor der Feindiagnostik Anzeichen für eine ernsthafte Erkrankung, werden auch in Zukunft weiterhin Untersuchungen mit 3D- oder 4D-Ultraschall durchgeführt. Wer aber nur mal zum „Baby fernsehen“ wollte, für den soll es diese Möglichkeit ab 2021 nicht mehr geben. Ab dann ist die Feindiagnostik wirklich nur noch als medizinische Untersuchung zulässig. Damit soll das ungeborene Kind vor zu intensiver Strahlung geschützt werden.

 

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