Aberglaube – Weisheiten aus der Mottenkiste

Aberglaube – Weisheiten aus der Mottenkiste

Aberglaube begegnet uns im Alltag nicht mehr oft. Kaum jemand wirft sich noch Salz über die Schulter, um böse Geister fernzuhalten. Trotzdem werden vor allem Schwangere ständig mit Binsenweisheiten konfrontiert.

Es wird ein Junge! – Nein, ein Mädchen!

Jede werdende Mama hat mindestens einmal gehört, sie habe einen „Jungsbauch“ – denn von hinten sähe sie gar nicht schwanger aus – oder einen „Mädchenbauch“, weil der Bauch von der Freundin des Nachbars der Schwippschwägerin genauso aussah. Witzig wird es besonders dann, wenn die werdende Mama am gleichen Tag zwei unterschiedliche Diagnosen von den erfahrenen Fachleuten bekommt.

Besonders beliebt ist auch der Aberglauben, das Baby sei besonders behaart, wenn die Mutter ständig aufstoßen muss. Und wenn sie sich erschrickt, solle sie um Gottes Willen bloß kein Körperteil mit der Hand berühren. Der Volksmund sagt, dass so Muttermale entstehen.

Mythen rund ums Baby

Wer die Schwangerschaft einigermaßen unbehelligt hinter sich gebracht hat, kann sich schon mal warm anziehen. Die gut gemeinten Tipps, die meist auf Volksglauben beruhen und wenig mit modernen Erkenntnissen zu tun haben, werden nicht abreißen.

Besonders fatal, aber leider immer noch weit verbreitet, ist die Annahme, man müsse ein Baby schreien lassen, denn das stärke die Lungen. Dass dies ausgemachter Blödsinn ist, kann man sich selbst denken. Im Gegenteil – schreien lassen ist extrem schädlich für Babys. Nicht nur, dass die Bindung zu den Eltern darunter leidet. Exzessives Schreien kann ein Ausdruck von Wirbelblockaden sein oder Koliken fördern. Wenn ein Baby weint, muss immer nach der Ursache geforscht werden!

Genauso populär ist der Irrglaube, ein Baby könne man durch zu viel Nähe verwöhnen. Dieser Gedanke geht zurück auf die Erziehungsmethoden des Nationalsozialismus, als Kinder „zäh wie Leder und hart wie Kruppstahl“ sein mussten. Gott sei Dank, dass wir diese Zeiten hinter uns gelassen haben! Heute dürfen Kinder wieder das sein, was sie sind: Kinder. Darum ist es wichtig, die Bedürfnisse eines Babys durch Tragen, gemeinsames Schlafen und viel kuscheln zu stillen.

Reiner Aberglauben ist dagegen, den Kinderwagen nicht ins Haus zu stellen, bevor das Baby eingezogen ist oder mit einem Kind einen Friedhof zu besuchen. Beides soll schlechte Zeiten und nahen Tod bedeuten, ist aber wissenschaftlich natürlich überhaupt nicht belegbar.

Kinder und Aberglaube

Auch für ältere Kinder gibt es verschiedene Mythen. In den Kulturen des Balkanraumes ist das Schneiden der Fingernägel nachts geradezu verboten, weil dies das Leben des Kindes verkürzen soll. Dabei lassen sich viele Kinder nur im Schlaf die Nägel überhaupt schneiden, weil sie sonst nicht mit dem Rumzappeln aufhören.

Außerdem sollten Kinder nicht so viel fernsehen, denn davon kriegen sie viereckige Augen. Auch beim Schielen sollen Kinder vorsichtig sein: Werden sie dabei erschreckt, bleiben die Pupillen in dieser Position.

Besonders beliebt sind auch Ammenmärchen rund um die Ernährung. Wer Obstkerne verschluckt, kann sich schon mal darauf freuen, dass bald ein kleiner Obstbaum in seinem Bauch wächst. Und sollte jemand nach dem Genuss von frischen Früchten Durst haben, muss er oder sie eine Stunde warten – Wasser auf Steinobst verursacht schlimme Bauchschmerzen. Ähnlich ist es, wenn man Kaugummi verschluckt. Der soll angeblich die Magenwände verkleben, was zu Magenkrämpfen führt. Wir brauchen dir natürlich nicht verraten, dass dies alles absoluter Kokolores ist.

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