Globuli und Homöopathie

Homöopathie zur Behandlung bei Kindern

Immer mehr Kinderärzte empfehlen Eltern zur Behandlung ihrer Kinder Homöopathie. Doch was sind eigentlich Globuli, wie verwendet man sie – und sind sie wirklich so toll, wie alle behaupten?

Was ist Homöopathie?

Homöopathie gilt in Europa als Komplementär- oder Alternativmedizin. Darunter versteht man Behandlungskonzepte und Methoden, die ergänzend zur klassischen Schulmedizin angewandt werden. Die Deutsche Homöopathie-Union (DHU) mit Sitz in Karlsruhe beschreibt ihr Handwerk selbst als Reiz- und Regulationstherapie: „Mit Hilfe der passenden homöopathischen Arznei wird im Körper ein Reiz gesetzt, der die Selbstheilungskräfte aktiviert und dem Körper so hilft, zu gesunden.“

Dabei handeln Homöopathen nach dem Grundsatz „Similia similibus curentur – Ähnliches möge durch Ähnliches geheilt werden“. Dieses sogenannte Ähnlichkeitsprinzip geht auf den Begründer der Homöopathie, Dr. Samuel Hahnemann, zurück. Es besagt, dass ein Wirkstoff, der bestimmte Symptome bei einem gesunden Menschen hervorruft, ähnliche Symptome einer Krankheit heilen kann.

Welches homöopathische Mittel ist das richtige?

In der Regel wird die Homöopathie von erfahrenen Ärzten und Therapeuten eingesetzt, die eine Zusatzqualifikation in diesem Gebiet nachweisen können. Verordnungen eines solchen Arztes können bei vielen Krankenkassen auch zur Kostenerstattung eingereicht werden.

Aber auch die eigenverantwortliche Einnahme durch den Patienten selbst wird immer beliebter. Denn die Homöopathie ist vor allem zur Behandlung alltäglicher Erkrankungen sehr gut geeignet. Ob Erkältung, Zahnungsbeschwerden beim Baby oder ein blauer Fleck durch wildes Toben auf dem Spielplatz – die Homöopathie bietet für alle kleinen und großen Wehwehchen eine sanfte und Behandlung mit nur wenigen Nebenwirkungen.

„Das passende Mittel lässt sich anhand einfacher Kriterien schnell herausfinden,“ so die DHU. Um den richtigen Wirkstoff zu finden, betrachten Ärzte den Patienten ganzheitlich. Nicht nur die einzelne Krankheit, sondern die ganze Krankengeschichte fließt in die Anamnese mit ein. Wer sich zu Hause mit Homöopathie auseinandersetzen möchte, findet mittlerweile in jeder Buchhandlung zahlreiche Ratgeber.

Was sind „Globuli“ und „Potenzen“?

Die bekannteste homöopathische Darreichungsform sind Globuli. Diese kleinen Kügelchen werden aus Rohrohrzucker hergestellt und anschließend mit dem homöopathischen Wirkstoff imprägniert.

Globuli gibt es in unterschiedlichen Potenzen. Bei der sogenannten Potenzierung wird zuerst aus der Arzneisubstanz, zum Beispiel Arnica, eine Tinktur gewonnen. Diese wird anschließend nach und nach mit einem Gemisch aus Wasser und Alkohol verdünnt und per Hand verschüttelt. Dadurch entstehen sogenannte „Verreibungen“, die nochmals mit Milchzucker vermischt werden.

Aber wie kann durch das Verdünnen und Verreiben der Stoff dann überhaupt noch wirken? „Zwar nimmt durch die Methode des Verdünnens und Verschüttelns bzw. Verreibens die Konzentration des Ausgangsmaterials ab, andererseits wird aber die Wirksamkeit der Arznei verstärkt,“ schreibt die DHU. Daher kommt auch die Bezeichnung „Potenzierung“: Es leitet sich vom lateinischen „potentia“ (Kraft) ab und meint, dass durch die Behandlung der Ursubstanz überflüssige Stoffe verschwinden, und die reine, kraftvolle Wirkung erhalten bleibt. Das bedeutet, dass auch giftige Ausgangsmaterialien gefahrlos eingesetzt werden können.

Alle homöopathischen Arzneimittel werden nach der Potenzierung benannt, zum Beispiel „Arnica C30“. Das C gibt an, dass es sich dabei um eine Hunderter-Verdünnung handelt. Die Zahl beschreibt die Anzahl der durchgeführten Schritte zur Verdünnung. „Arnica C30“ bedeutet also, dass die Arnica-Substanz für diese Globuli insgesamt 30-mal im Verhältnis 1:100 verdünnt wurde. Bei D-Potenzen wurde der Wirkstoff im Verhältnis 1:10 verdünnt. Am gängigsten sind Globuli mit der Potenzierung C/D 6, C/D 12 und C/D 30.

Neben den Streukügelchen finden auch Tropfen, Tabletten und externe Darreichungsformen wie Salben und Einreibungen ihre Anwendung.

Wie wende ich Homöopathie an?

Bei der Einnahme von Globuli sollte grundsätzlich der Empfehlung des behandelnden Arztes bzw. Therapeuten gefolgt werden. Bei Selbstanwendung sollten die Angaben der Gebrauchsanweisung eingehalten werden. Falls diese nicht zur Verfügung steht, gilt derzeit die folgende Empfehlung der DHU als Orientierung:

Dosierung Erwachsene

  • Tiefe Potenzen (bis D23 bzw. C11):
    Bei akuten Beschwerden stündlich 5 Tropfen, 5 Globuli (Streukügelchen) oder 1 Tablette bis zum Eintritt einer Besserung, jedoch höchstens 6-mal täglich. Danach 3-mal täglich 5 Tropfen, 5 Globuli oder 1 Tablette. Bei chronischen Erkrankungen 1-3-mal täglich 5 Tropfen, 5 Globuli oder 1 Tablette.
  • Hohe Potenzen (ab D24 bzw. C12):
    Die Anwendung erfordert eine individuelle Dosierung durch einen homöopathisch erfahrenen Therapeuten. Im Rahmen der Selbstbehandlung sollte nur eine Einmalgabe von 5 Tropfen, 5 Globuli oder 1 Tablette eingenommen werden.

In der therapeutischen Praxis werden homöopathische Mittel zwischen D/C10 und D/C30 in der Regel als mittlere Potenzen und ab D/C30 als Hochpotenzen angesehen. Mittlere Potenzen werden üblicherweise 1-2-mal täglich eingenommen, Hochpotenzen werden entsprechend den individuellen Voraussetzungen dosiert.

Dosierung Kinder

  • Säuglinge im ersten Lebensjahr erhalten ein Drittel der Erwachsenendosis.
  • Kleinkinder bis zum 6. Lebensjahr erhalten die Hälfte der Erwachsenendosis.
  • Kinder zwischen dem 6. und 12. Lebensjahr erhalten zwei Drittel der Erwachsenendosis.

Tipp: Für Säuglinge und Kleinkinder sind Globuli am besten geeignet. Wenn Tabletten verabreicht werden, sollten diese vorher der Gabe in Wasser aufgelöst werden.

Tabletten und Globuli (Streukügelchen) sollte man langsam im Munde zergehen lassen und Tropfen vor dem Schlucken einige Zeit im Mund behalten, da die Wirkstoffe bereits über die Mundschleimhäute aufgenommen werden. Als idealer Zeitpunkt zur Einnahme gilt eine halbe Stunde vor oder nach dem Essen. Außerdem sollte man vor und nach der Einnahme für mindestens 30 Minuten auf die Verwendung ätherischer Öle (Zahnpasta) verzichten.

Was spricht für und gegen Homöopathie?

Homöopathie ist vor allem in Familien mit kleinen Kindern beliebt. Zum einen liegt das an der Darreichungsform. Die kleinen Kügelchen werden unter die Zunge oder in die Backentasche gelegt und können so schon von kleinen Säuglingen mühelos eingenommen werden. Außerdem weisen homöopathische Heilmittel so gut wie keine Nebenwirkungen auf, sie sind gut verträglich und bestehen nur aus pflanzlichen Stoffen.

Globuli und Homöopathie stehen allerdings auch stark in der Kritik. Oft abwertend als „Zuckerkügelchen ohne Wirkung“ abgetan, wurden sie von manchen Gegnern auch in die esoterische Ecke geschoben. Außerdem gibt es wissenschaftliche Untersuchungen, die Globuli als Placebo kategorisieren. Das alles führte immer mehr zu erhitzten Gemütern und verhärteten Fronten. Ein wissenschaftlicher Diskurs mit sachlicher Argumentation für und gegen die Homöopathie war bisher kaum möglich.

Darum hat sich Anfang des Jahres das „Informationsnetzwerk Homöopathie“ (INH) gegründet. Es besteht aus Ärzten, Wissenschaftlern und ehemaligen Homöopathen. Das Ziel des INH ist nach eigenen Aussagen: „Wir wollen wissenschaftlich fundiert und fair offenlegen, was Homöopathie leisten kann, und was nicht. Sie als interessierte Leser entscheiden dann, welche Informationen Sie in Ihren Alltag mitnehmen und wir freuen uns, wenn wir mit unserer Arbeit zu neuen Gedanken und Schlussfolgerungen anregen können.“

Fazit

Wie bei allen Behandlungsmethoden – egal, ob manuelle Therapien oder die Einnahme von Arzneimitteln – solltest du dich vorab genauestens bei seriösen Quellen informieren und im Zweifelsfall Rücksprache mit deinem Arzt halten.

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