Rückenschmerzen werden unzureichend behandelt

Rückenschmerzen werden unzureichend behandelt

Rückenschmerzen stellen eine Volkskrankheit dar, denn drei Viertel der Bevölkerung sind mindestens einmal in ihrem Leben davon betroffen. Aber nur ein Viertel geht auch zum Arzt.

In den letzten zehn Jahren haben die Patienten mit Schmerzen im unteren Bereich der Wirbelsäule und des Kreuzbeins (lumbale Rückenschmerzen) um 50 Prozent (2014: 415.000 Betroffene) zugenommen. Insgesamt sind häufiger Frauen betroffen und Arbeitende mit geringerer Qualifikation im Produktions- und Dienstleistungsbereich. Zudem sind mehr Rückenleiden in den alten Bundesländern dokumentiert.

Die Rückenschmerzen zählen mit Kosten von neun Milliarden Euro zu den teuersten Krankheiten. Davon werden 85 Prozent der Kosten durch Arbeitsausfälle und 15 Prozent durch die medizinische Behandlung verursacht. Insgesamt entfallen allein auf Rückenschmerzen sechs Prozent aller direkten Krankheitskosten, 15 Prozent der Arbeitsunfähigkeitstage und 18 Prozent der Frühberentung. Eine gute Vorsorge und Nachhaltigkeit hätten daher oberste Priorität. Doch häufig treffen Patienten auf eine Über-, Unter- oder Fehlversorgung – besonders bei der Diagnostik und der Therapie leichter Rückenschmerzen. Aufgrund von monetären Anreizen, Infrastruktur, mangelndem Austausch der Ärzte untereinander, gezielter Nachfrage der Patienten und zur Absicherung des Arztes werden viele MRT-Untersuchungen, Operationen sowie bildgebende Diagnostik durchgeführt. Insgesamt stellt der Krankenhausreport der BARMER GEK fest, dass bei der Behandlung von Rückenschmerzen die Nachhaltigkeit und die Effektivität gering sind und daher keine qualitative Verbesserung der Versorgung eingetreten ist.

Rückenschmerzen können viele Ursachen haben

Am häufigsten treten Rückenschmerzen auf, die keine strukturellen Ursachen haben. Etwa zehn bis 30 Prozent leiden unter chronischen Rückenschmerzen. Die Ursachen können durch Krankheiten, Knochen, Gelenke oder Muskeln entstehen oder aus psychischen sowie sozialen Faktoren resultieren. Strukturelle Ursachen sind Frakturfolgen, Entzündungen, Metastasen oder Bandscheibendegeneration. Bevor die Ursachen stationär behandelt werden, geht meist eine langjährige ambulante Vorbehandlung voraus. Insgesamt sind weniger als die Hälfte der Schmerzleidenden mit ihrer Behandlung zufrieden.

Das Ziel sollte es sein, die Krankheit rechtzeitig zu behandeln, bevor sie chronisch wird. Doch ein Drittel der Betroffenen wird nicht entsprechend behandelt. Eine Schmerzfreiheit tritt bei 33 Prozent der Patienten erst nach eineinhalb Jahren ein.

Aktuelle Behandlungsmethoden bei Rückenschmerzen

Insgesamt wird nur ein Prozent der Betroffenen stationär behandelt. Dabei existieren verschiedene Behandlungsverfahren.

  • Die interventionelle Schmerztherapie soll die Schmerzen lindern und die Beweglichkeit wiederherstellen.
  • Die multimodale Schmerztherapie wird bei chronischen Schmerzen eingesetzt, um diese strukturiert zu beseitigen bzw. den Umgang mit diesen ressourcengerecht zu erlernen. Dabei werden Behandlungsverfahren kombiniert, die den Körper und die Psyche ansprechen.
  • Weitere Behandlungsarten stellen die bildgebende Diagnostik und Operationen dar.

In den letzten Jahren stieg die Anzahl operativer Eingriffe. Gründe sind unter anderem das Älterwerden der Bevölkerung, Fortschritte in der Operationstechnik, veränderte Patientenwünsche und Fehlanreize durch das DRG-System und die Vergütungen zwischen stationären und ambulanten Leistungen.

Weitere Erkenntnisse des Krankenhausreports 2015

Neben den Erkenntnissen zu lumbalen Rückenschmerzen besagt der Report, dass die Krankenhausaufenthalte gestiegen, aber die -tage durchschnittlich gefallen sind. Die meisten Aufenthalte verursachten Beschwerden des Kreislauf- und Verdauungssystems sowie Neubildungen. Hingegen verursachen die Behandlungen von psychischen Störungen die meisten Krankenhaustage. Demografisch lässt sich sagen, dass mehr Männer als Frauen mit Herz-Kreislauferkrankungen bzw. mit Erkrankungen des Verdauungssystems im Krankenhaus behandelt werden. Bei Frauen überwiegen Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems und des Bindegewebes sowie Verletzungen, Vergiftungen und bestimmte andere Folgen äußerer Ursachen.

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