Kinderbetreuung U3-Bereich

Kinderbetreuung: Tagesmutter oder Krippe? Ein persönlicher Kommentar

Seit 2013 haben Familien in Deutschland einen Anspruch auf Kinderbetreuung. Doch die Wahl der Einrichtung bleibt dir selbst überlassen: Kinderkrippe oder Tagesmutter. Wir reden über Vor- und Nachteile.

Inhalt

  1. Kinderbetreuung sollte kein Grund zur Diskussion sein
  2. Meine Gedanken zur Kinderbetreuung
  3. Kinderkrippe: Alles an einem Ort
  4. Kinderbetreuung in einer integrativen Kita
  5. Öffnungszeiten der Betreuungseinrichtung
  6. Formen der Kinderbetreuung unterscheiden sich in der Gruppengröße
  7. Die Krux mit dem Betreuungsschlüssel
  8. Tagesmutter: Kinderbetreuung in familiärer Atmosphäre
  9. Persönliche Kinderbetreuung bei der Tagespflege
  10. Wünsche der Eltern in der Kinderbetreuung
  11. Klischees in der Kinderbetreuung
  12. Tagesmutter oder Krippe? Mein persönliches Fazit
  13. Kinderbetreuung – Die Qual der Wahl
  14. Fragen für die Kinderbetreuung

Kinderbetreuung sollte kein Grund zur Diskussion sein

Du hast dich dafür entschieden, dein Kind unter drei Jahren in die Fremdbetreuung zu geben. Die Gründe dafür sind ganz allein für dich und deine Familie entscheidend. Leider wird immer noch oft sogenanntes „Mütter Bashing“ betrieben, wenn ein Kind nicht bis zum Schuleintritt zuhause bleibt.

Lass dir von solchen Stimmen kein schlechtes Gewissen einreden. Es ist vollkommen okay, dass du dein Kind nicht wochentags betreuen kannst oder möchtest. Der richtige Zeitpunkt ist dabei ganz von dir und deinem kleinen Schatz abhängig. Das gleiche gilt auch für die Form der Kinderbetreuung. Denn die passende Variante für deine Familie zu finden, kann erst einmal überwältigend erscheinen.

Meine Gedanken zur Kinderbetreuung

Prinzipiell hast du zwei Möglichkeiten der Betreuung im U3-Bereich: Kinderkrippe und Kindertagespflege. Letztere sind eher unter dem Begriff Tagesmutter bekannt – oder in (leider) seltenen Fällen Tagesvater. Beide haben ihre Vor- und Nachteile.

Nach über zwei Jahren bei einer Tagesmutti ist mein Kind im vergangenen Jahr in eine Kita mit integrierter Kinderkrippe gewechselt. Seitdem fallen mir immer wieder Unterschiede zwischen diesen beiden Arten der Kinderbetreuung auf. Diese Eindrücke sind natürlich total subjektiv und eine andere Mama würde wahrscheinlich ganz andere Beobachtungen teilen. Ich habe sie dir trotzdem zusammen getragen, weil ich glaube, dass sie dir bei deiner Entscheidung für die Fremdbetreuung helfen werden.

Kinderkrippe: Alles an einem Ort

Ich kenne kaum unabhängige Kinderkrippen. In der Praxis sind dies meistens ein bis zwei Gruppen innerhalb einer Kindertagesstätte. In diesen werden ausschließlich Unter Dreijährige betreut. Viele Familien entscheiden sich für die Krippengruppe, wenn ältere Geschwisterkinder bereits diesen Kindergarten besuchen.

Doch für Einzelkinder bietet diese Kinderbetreuung ebenfalls Vorteile. Meist können die Kleinen innerhalb der Einrichtung in die nächste Altersgruppe wechseln. Sie kennen dann schon alle Räume und die Erzieherinnen. Außerdem können sie ihre Freunde weiterhin sehen, auch wenn diese noch ein Jahr in der Krippe bleiben.

Dieses „Alles an einem Ort“-Konzept bietet weitere Vorteile, wenn dein Kind zum Beispiel eine spezielle Therapie braucht. Mittlerweile führen viele Ergotherapeuten, Logopäden oder Physiotherapeuten ihre Behandlungen in Kitas durch. Das spart dir Zeit, denn du musst nach der Arbeit nicht nochmal extra los. Für dein Kind ist eine Therapie am Tag ebenso besser. Denn oft ist es nach dem Kindergartentag nicht mehr wirklich fit und aufmerksam.

Kinderbetreuung in einer integrativen Kita

In integrativen Kindergärten findest du meist gleichermaßen Heilpädagogen oder Erzieher mit einer solchen Zusatzausbildung. Besonders schön an unserer Integrativ-Kita finde ich aber, dass mein Kind einen völlig entspannten Umgang zu anderen Kindern mit einem Handicap erlebt. Aufgrund der höheren Anzahl an Kindern haben wir täglichen Kontakt zu Familien mit den unterschiedlichsten kulturellen Hintergründen. Es ist schön zu sehen, wie selbstverständlich die Knirpse miteinander spielen. Die Kommunikation klappt ebenfalls ohne Probleme – ganz egal, welche Muttersprache die Kleinen sprechen. Das alles können auch schon Kleinkinder in der Krippengruppe erleben.

Öffnungszeiten der Betreuungseinrichtung

Für berufstätige Eltern sind vor allem die organisatorischen Vorteile einer Kinderkrippe ausschlaggebend für ihre Entscheidung. Die Öffnungszeiten sind in vielen Einrichtungen großzügiger als bei einer Tagesmutter. Unser Kindergarten bietet eine Betreuung in der Zeit von 6 bis 17 Uhr an, wohingegen unsere Tagesmutter frühestens ab 7 Uhr, bzw. bis maximal 16:30 Uhr betreut hat. Außerdem konnte im Krankheitsfall unserer Tagesmutti keine Kinderbetreuung statt finden. Das gleiche galt für Urlaub, denn es gab schlichtweg keinen Ersatz.

In der Kinderkrippe ist das natürlich wesentlich flexibler. Wird eine Erzieherin krank, ist immer noch eine zweite da oder es wird etwas organisiert. So ist immer eine Kinderbetreuung sichergestellt. Manche Kindergärten haben zwar ebenso Schließzeiten, zum Beispiel über den Jahreswechsel, doch auch das ist etwas individueller planbar.

Formen der Kinderbetreuung unterscheiden sich in der Gruppengröße

Der wesentlichste Unterschied der Kinderbetreuung in einer Krippe oder durch eine Tagesmutter ist die Gruppengröße. In Sachsen liegt der Betreuungsschlüssel für den U3-Bereich zum Beispiel bei 1 : 5. Also entfallen fünf Kinder auf einen Erzieher oder eine Erzieherin – zumindest theoretisch. Denn die Gruppengröße ändert sich je nachdem, wie viele Kinder ganztags oder nur stundenweise in die Einrichtung kommen. Das gilt für die meisten Bundesländer.  In vielen Krippengruppen wird es daher so gehandhabt, dass dann zehn bis 15 Kinder von zwei bis drei Pädagogen betreut werden. Um es ganz genau zu wissen, solltest du dich aber bei der Kommune oder der jeweiligen Einrichtung informieren. Die Regelungen sind so unterschiedlich, dass es keine allgemein gültige Info gibt.

Für Tagesmama oder Tagespapa gilt bundesweit, dass sie nie mehr als fünf Kinder gleichzeitig betreuen können. Durch die kleine Gruppengröße kann es allerdings schwierig werden, einen Platz bei der Tagesmutter deiner Träume zu ergattern. In der Krippe klappt das im Regelfall einfacher. Auf jeden Fall solltest du dich frühst möglich um einen Betreuungsplatz kümmern. Am besten ab Bekanntwerden deiner Schwangerschaft.

Die Krux mit dem Betreuungsschlüssel

Doch warum haben Tagesmütter einen besseren Ruf als Kinderkrippen? Zum einen hängen vielen Eltern ihre eigenen Erfahrungen aus der Krippenzeit an. Wer sich nur negativ an die Kinderbetreuung in der Gruppe erinnert, wird wahrscheinlich für sein eigenes Kind gleichfalls davor zurückschrecken. Zum anderen gibt es aber auch viele Vorurteile gegenüber der Krippenbetreuung.

Diese beruhen hauptsächlich auf Klischees. In sozialen Medien werden diese gerne soweit aufgebauscht, dass wahre Horrorszenarien entstehen. Es wird oft so dargestellt, als müssten Babys in einer Krippengruppe stundenlang in der nassen Windel liegen, weil die Erzieherin keine Zeit hat, sie zu wickeln. Sicherlich steckt ein Funken Wahrheit dahinter. Denn die Betreuungsschlüssel sind in vielen Bundesländern nach wie vor nicht optimal. Auch die Arbeitssituation der Pädagoginnen könnte wohl deutlich besser sein (Stichwort Pflegenotstand). Das sollte dich aber nicht davon abhalten, dir selbst ein Bild von der Kinderbetreuung zu machen. Und übrigens gibt es unter Tagesmüttern ebenso schwarze Schafe.

Tagesmutter: Kinderbetreuung in familiärer Atmosphäre

Dennoch hat eine Kinderbetreuung durch die Tagesmama aufgrund der kleineren Gruppe ebenfalls viele Vorzüge. Bei uns war es so, dass nur äußerst selten wirklich alle fünf Kinder da waren. Durch Krankheiten oder Urlaub der Eltern waren die Kinder meistens zu dritt, oft sogar nur zu zweit. Dadurch war es in der Gruppe immer recht ruhig. Der Lärmpegel in der Kinderkrippe ist da schon deutlich höher. Mir kam es durch die kleine Gruppe so vor, dass mein Kind eher wie mit Geschwistern aufwächst.

Zu diesem Eindruck trug wohl auch die familiäre Situation bei unserer Tagesmutter bei. Wir hatten ein herzliches Verhältnis und es wurde hin und wieder mal privat gequatscht. Das kommt so in der Krippe sicher seltener vor. Natürlich ist das auch nicht immer die Regel, aber die Chemie mit der Tagesmama oder Tagespapa sollte schon stimmen.

Persönliche Kinderbetreuung bei der Tagespflege

Den größten Vorteil bei der Kinderbetreuung durch die Tagesmutti sehe ich darin, dass sie individueller auf die Kinder eingehen kann. Bei einer kleineren Gruppe kann der Erzieher oft schneller auf Wünsche oder Bedürfnisse reagieren. Das kann individuelles Vorlesen sein, aber ebenso das Windeln wechseln. Natürlich muss ein Kind in der Tagespflege ebenfalls mal warten, bis es dran ist. Der Tagesablauf kann aber gleichfalls flexibler gestaltet werden. Waren in unserer Tagesgruppe mal nur zwei Kinder da, hat die Tagesmutti zum Beispiel spontan einen Ausflug mit ihnen gemacht.

Dennoch denke ich, dass die kleine Gruppengröße im Bereich der Kleinkind Betreuung sehr hilfreich ist. Besonders dann, wenn dein Kind noch nicht laufen oder sprechen kann. Auch wenn dein Sprössling einen eher introvertierten Eindruck macht, kann die kleine Gruppengröße ihm oder ihr gut tun. In einer größeren Kindergruppe gehen die Stillen ja leider oft ein wenig unter.

Wünsche der Eltern in der Kinderbetreuung

Auch die Elternwünsche kann eine Tagespflegeperson besser berücksichtigen. Bei uns waren Stoffwindeln überhaupt kein Problem. Da habe ich leider schon oft von anderen Eltern gehört, dass das in der Krippe ein echtes Problem war. Möchtest du mit Stoff wickeln, solltest du das also unbedingt vorher abklären.

War mein Kind müde oder quengelig, hat unsere Tagesmutti es im Tragetuch auf den Rücken genommen. Das hat daheim immer super funktioniert und so hat es die Betreuerin einfach übernommen. Nennt mich pessimistisch, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass das in einer Kinderkrippe so einfach geht.

Klischees in der Kinderbetreuung

Es gibt ein großes Vorurteil gegenüber den Tagespapas und Tagesmamas und zwar: „Jeder kann Tagesmutter werden.“ Damit ist die Vorstellung verbunden, dass die fachliche Qualifikation fehlt. Viele Eltern denken dann, dass nicht jeder Hans und Franz die Kinderbetreuung übernehmen sollte – völlig zurecht!

Aber dabei lassen sie ein paar wichtige Punkte außer acht. Ja, prinzipiell kann jeder Mensch Tagesmutter oder Tagesvater werden. Allerdings geht das nur, wenn man schon eine entsprechende Ausbildung hat. Unsere Tagesmutti war zum Beispiel ausgebildete Heilpädagogin. Wer keine solche berufliche Qualifikation hat, kann diese in einer Ausbildung zur Tagesmutter erwerben. Diese erfolgt in der Regel nebenberuflich. Nur wenn jemand diesen Lehrgang einwandfrei absolviert, erhält er eine Erlaubnis vom Jugendamt zur Einrichtung einer Tagespflegestelle.

Das ist aber natürlich noch nicht alles. Kinderbetreuung durch Tagesmütter unterliegen sehr strengen Auflagen. Diese reichen von Einhaltung der Hygiene über persönliche Eignung des Tagespapas oder der Tagesmama bis hin zu ständigen Weiterbildungen. Das Jugendamt kontrolliert sehr engmaschig, ob diese Richtlinien alle eingehalten werden.

Tagesmutter oder Krippe? Mein persönliches Fazit

Ein allgemein gültiges Fazit zur Kinderbetreuung im U3-Bereich zu ziehen ist total schwierig, eigentlich sogar unmöglich. Für unsere Familie war die Tagesmama genau das Richtige. Wir haben den Start für unser Kind in die Fremdbetreuung als wesentlich sanfter und bedürfnisorientierter empfunden. Dabei hatten wir wahnsinniges Glück mit unserer Tagesmutter. Für uns war die Zeit also durchweg positiv.

Allerdings muss ich dazu sagen, dass wir als Eltern in diesen Jahren zeitlich sehr flexibel waren. Ein kurzfristiger Ausfall der Tagesmutti durch Krankheit kam zwar zum Glück nur ein einziges Mal vor. Dennoch war ich froh, dass ich an diesem Tag einfach frei nehmen konnte. Wer also aufgrund der Arbeit nicht einfach so zuhause bleiben kann, sollte für solche Fälle einen spontanen Ersatz zur Hand haben. Vielleicht können ja Oma oder Opa bei der Kinerbetreuung einspringen?

Kinderbetreuung – Die Qual der Wahl

Zum Schluss habe ich noch eine Übersicht für dich. Darin habe ich die wichtigsten Fakten der Kinderbetreuung in der Krippe und bei einer Tagesmutter zusammen gestellt. Außerdem habe ich noch zusammengetragen, welche Fragen du vor der endgültigen Entscheidung klären solltest. Das ist nur als Anregung gedacht. Dir fallen bestimmt noch mehr Fragen ein, die individuell für dein Kind wichtig sind.

Kindertagespflege

Kinderkrippe

kleinere Gruppe: weniger Lärm, individuellere Betreuung, familiärer größere Gruppe: mehr Kinder aus unterschiedlichsten Backgrounds kommen miteinander in Kontakt
Plätze sind rar und oft schnell weg Plätze sind meist einfacher zu bekommen
engerer Rahmen der Betreuungszeiten in der Regel längere Öffnungszeiten
Urlaub der Familie muss sich nach Urlaub der Tagesmutter richten wenn es keine Schließzeiten gibt, ist der Urlaub individueller planbar
flexibleres Tagesangebot Therapien oft in der Betreuungszeit möglich

Fragen für die Kinderbetreuung

  • Welches Betreuungskonzept hat die Einrichtung? Welcher Ansatz wird verfolgt?
  • Wie lange ist die Eingewöhnungszeit und wie läuft sie ab?
  • Wo befindet sich die Einrichtung? Was ist näher, bzw. günstiger gelegen? (Arbeitsweg mit betrachten)
  • Wie sind die Öffnungszeiten? (auch hier Arbeitsweg mit betrachten)
  • Gibt es Schließzeiten, (Jahreswechsel, Brückentage), bzw. wann ist die Tagesmutter im Urlaub?
  • Was passiert im Krankheitsfall der Bezugsperson? Wie ist die Vertretung geregelt?
  • ggf.: Wickeln die Erzieherinnen/die Tagespflegeperson mit Stoff?
  • Woher kommt das Essen in der Einrichtung? Was gibt es? (ausgewogener Speiseplan, auf wenig Zucker achten)
  • ggf.: Kann/muss ich Essen selbst mitgeben? (Intoleranzen, Verzicht auf bestimmte Lebensmittel aus ethischen oder religiösen Gründen)

Und am wichtigsten für deine Entscheidung:

  • Wie ist dein Bauchgefühl? Stimmt die Chemie mit dem Erzieher oder der Erzieherin?

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