Fieberkrampf bei Kleinkindern

Fieberkrämpfe bei Kleinkindern

Im Sommer steigt bei vielen Eltern die Angst vor einem Fieberkrampf. Dabei herrscht ziemlich viel Unklarheit über das Krankheitsbild, Auslöser und die Bekämpfung des Anfalls.

Fieber – Nicht Feind, sondern „Freund“

Viele Elterngenerationen dachten, Fieber sei die Ursache von Krankheiten und müsse möglichst rasch bekämpft werden. Mit kalten Waschlappen und Wadenwickeln wollte man Kindern Linderung verschaffen. Heute weiß man, dass Fieber kein Krankheitssymptom ist, sondern die Antwort des Körpers. Um die Erreger zu bekämpfen, heizt der Körper hoch.

Dabei gilt als Faustformel: Ab 38,5 Grad Celsius spricht man von Fieber. Nur selten übersteigt die Temperatur die 41-Grad-Marke und muss auch nicht durch Hausmittel herunter gedrückt werden. Es ist besser, auf die selbstregulierende Funktion des Körpers zu vertrauen. Wenn dein Kind fiebert, solltest du ihm immer wieder Wasser oder ungesüßten Tee anbieten und es so viel schlafen lassen, wie es möchte. Gefährlich wird es nach Meinung der meisten Eltern erst, wenn ein Fieberkrampf vorliegt.

Woher kommt der Fieberkrampf?

Doch da können wir dir gleich die Sorge nehmen, denn ein Fieberkrampf ist meistens völlig ungefährlich. Dennoch gilt der Krampfanfall als häufigster Notfall bei Kleinkindern. Wie er genau entsteht und woher er kommt, können Mediziner bis heute nicht eindeutig sagen. Klar ist jedoch, dass Umwelteinflüsse wie die Wetterlage keine Rolle spielen.

Laut dem aktuellen Forschungsstand geht man davon aus, dass ein rascher Temperaturanstieg der Auslöser ist. Nicht die Höhe des Fiebers ist dabei entscheidend, sondern das Tempo des Anstiegs. Der Körper wird sozusagen von dem hochschnellenden Fieber überrascht und reagiert darauf, indem er außer Betrieb fällt. Das sieht ziemlich schockierend aus. Beim Fieberkrampf verdreht das Kind die Augen, wird sehr blass und seine Muskeln verkrampfen sich. Es beginnt zu versteifen und am ganzen Körper zu zucken. In einigen Fällen wird diese Phase auch übersprungen und der Fieberkrampf beginnt gleich mit Stufe 2. In dieser erschlafft die Muskulatur und die Atmung verlangsamt sich. Das kann dazu führen, dass sich die Haut blau verfärbt. Während des Krampfes kann das Kind Blase und Darm nicht mehr beherrschen. In aller Regel ist der Spuk nach zwei bis drei Minuten vorbei. Danach wirkt das Kleine erschöpft bis apathisch. Oft kann es sich nicht an das vergangene Geschehen erinnern. Um den Fieberkrampf zu verarbeiten, wird es in den folgenden Stunden lange schlafen.

Im Zweifel immer den Arzt fragen

Auch wenn die Herkunft des Krampfanfalles noch nicht geklärt ist, so gibt es doch einige Langzeitstudien zu Nachwirkungen bei den kleinen Patienten. Alle Untersuchungen belegen, dass die Krämpfe weder ein körperliches noch ein psychisches Nachspiel auslösen. Die meisten Patienten klagten in den Tagen nach einem Fieberkrampf über Muskelkater, hatten sonst aber keine weiteren Beschwerden. Übrigens kann man einem durch Fieber ausgelösten Krampf auch nicht medikamentös vorbeugen.

Wenn der Anfall das erste Mal bei deinem Nachwuchs auftritt, solltest du dennoch einen Arzt rufen. Für einen Laien ist es schwer einzuschätzen, ob der Krampf tatsächlich durch Fieber ausgelöst wurde oder eine andere Ursache wie Epilepsie oder Hirnhautentzündung hat. Außerdem kann der Mediziner beurteilen, ob es sich um einen einfachen oder komplexen Fieberkrampf handelt und ob dein Sprössling weiterer Beobachtung bedarf. Es gibt einige Anhaltspunkte, an denen du auch als Elternteil erkennen kannst, um welche Form des Anfalls es sich handelt.

Einfacher Fieberkrampf

Der einfache Fieberkrampf tritt im Alter von sechs Monaten bis zu vier Jahren auf. Kennzeichnend ist, dass es keine Hinweise auf eine Entzündung des Gehirns oder des Rückenmarks gibt. Beim einfachen Fieberkrampf ist der ganze Körper von dem Anfall betroffen. Er dauert in der Regel zwei bis drei Minuten, jedoch auf keinen Fall länger als eine Viertelstunde. Der einfache Fieberkrampf tritt während eines Tages nur einmal auf.

Komplexer Fieberkrampf

Der komplexe (auch komplizierte) Fieberkrampf tritt bei Säuglingen vor dem sechsten Monat oder erst nach dem fünften Geburtstag auf. Er dauert deutlich länger als der einfache Krampf und überschreitet oft die Fünfzehn-Minuten-Marke. Ein anderes Anzeichen ist, dass er sich mindestens einmal innerhalb von 24 Stunden wiederholt. Bei etwa vier Prozent der Patienten ist er das erste Anzeichen einer Epilepsie. Wenn es Merkmale gibt, die auf Entzündungen im Bereich des Rückenmarks oder Gehirn hinweisen oder der Krampf nur einzelne Körperpartien betrifft, muss er besonders abgeklärt werden.

Wie verhalte ich mich bei einem Fieberkrampf?

Da es sich wie bei der Epilepsie auch um einen Krampfanfall handelt, sollten die gleichen Regeln beachtet werden:

  • Das Kind weder schütteln, noch mit Gewalt festhalten!
  • Stattdessen vor Verletzungen an scharfen Kanten, Ecken, Tischbeinen etc. schützen!
  • Nichts in den Mund stecken!
  • Tritt der Krampf das erste Mal auf: Rettungsdienst rufen!
  • Auf die Uhr schauen! Die genaue Dauer hilft später enorm bei der Kategorisierung zwischen einfachem und komplexem Fieberkrampf
  • Nicht versuchen, das Fieber mit kalten Waschlappen oder Ähnlichem zu senken!
  • Nach dem Krampf mit dem Kinderarzt sprechen!

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