Leben mit der Fruktoseintoleranz

Unter den Lebensmittelunverträglichkeiten kommt die Fruchtzuckerunverträglichkeit häufig vor. Drei verschiedene Formen werden dabei unterschieden. Am häufigsten kommt es zur Fruktosemalabsorption.

Was ist Fruktose?

Fruktose (Fruchtzucker) ist ein Einfachzucker, der wie andere Nährstoffe vom Dünndarm ins Blut aufgenommen und anschließend verstoffwechselt wird. Er dient in unserem Körper unter anderem der Energiegewinnung. Die Fruktose gehört zu den Kohlenhydraten und muss nicht verdaut werden, weil sie bereits als einzelnes Fruchtzuckermolekül vorliegt.

Da die Fruktose insulinunabhängig verstoffwechselt wird, galt sie einige Zeit als idealer Diabetikerzucker, bis man herausgefunden hat, dass sich größere Mengen Fruktose nachteilig auf den Fettstoffwechsel auswirken und die Entstehung von Gichtanfällen begünstigen.

Wo kommt Fruktose vor?

Fruktose kommt vor allem in Früchten und Honig vor. In Spuren ist Fruktose in den meisten Pflanzen vorhanden, auch in Getreide, Gemüse und Kräutern. Obst weist durchschnittlich ein bis sieben Prozent Fruktose auf. Besonders reich an Fruktose sind Trockenobst, Weintrauben, Birnen und Äpfel. Reife Früchte enthalten mehr Fruchtzucker als unreife, da mit der Reifung fruchteigener Zucker zunehmend in Fruktose und Glukose (Traubenzucker) abgebaut wird. Fruktose kommt sowohl in freier Form (als einzelnes Fruchtzuckermolekül) als auch in folgenden Verbindungen vor:

  • Haushaltszucker: (Saccharose): Zweifachzucker – bestehend aus Fruktose und Glukose (Traubenzucker)
  • Inulin: unverdauliches Kohlenhydrat (Ballaststoff), das aus Fruktose aufgebaut ist
  • Sorbit: Zuckeraustauschstoff, chemischer Abkömmling der Glukose, der im Körper in Fruktose umgewandelt wird
  • Honig: Gemisch aus Fruktose und Glukose
  • Invertzucker(-sirup): industriell hergestelltes Gemisch aus Fruktose und Glukose

Was geschieht im Körper mit Fruktose?

Fruktose wird im Dünndarm über spezielle Transport-Proteine ins Blut aufgenommen und weiter zur Leber transportiert. In der Leber wird die Fruktose über verschiedene Schritte umgebaut. Sie kann zur Energiegewinnung für die Körperzellen oder zum Aufbau von Fetten verwendet werden.

Was ist eine Fruktoseintoleranz?

Es gibt drei verschiedenen Störungen des Fruchtzuckerstoffwechsels, welche als Fruktoseintoleranz bezeichnet werden:

  • die Fruktosemalabsorption, auch bezeichnet als intestinale Fruktoseintoleranz oder alimentäre Fruktoseunverträglichkeit,
  • die hereditäre Fruktoseintoleranz und
  • die Fruktosämie, welche zusammen mit der Fruktosurie

Fruktosemalabsorption – schlechte Fruktoseaufnahme

Am häufigsten kommt die Fruktosemalabsorption vor. Von ihr wird meistens gesprochen, wenn es um die Fruchtzuckerunverträglichkeit geht.

Fruktose wird, wie oben beschrieben, im Dünndarm über spezielle Transport-Proteine aufgenommen. Dieses Transportsystem kann durch angeborene oder erworbene Störungen beeinträchtigt oder durch eine zu große Fruktosemenge (z. B. durch Trinken großer Mengen Apfelsaft) überlastet sein. In diesem Fall kommt es zu einer Fruktosemalabsorption (gestörte Aufnahme der Fruktose im Dünndarm). Der Verzehr sehr große Mengen Fruktose (35 – 50 Gramm pro Stunde) überlastet das Transportsystem der meisten Menschen und führt dann zu einer Malabsorption.

Symptome der Fruktosemalabsorption

Wenn die Fruktoseaufnahme infolge einer Malabsorption (mal= schlecht, Absorption= Aufnahme) gestört ist, wird Fruktose nicht im Dünndarm in den Blutkreislauf aufgenommen, sondern gelangt bis in den Dickdarm. Hier wird der Fruchtzucker durch Bakterien abgebaut. Die bakteriellen Abbauprodukte können zu Magen-Darm-Beschwerden wie Blähungen und Durchfall führen. Auch andere Nährstoffe beeinflussen die Fruktoseaufnahme. Während der Zuckeraustauschstoff Sorbit die Aufnahme der Fruktose weiter verschlechtert, steigert Glukose die Aufnahme. Deshalb sind Lebensmittel, welche ein ausgewogenes Verhältnis von Fruktose zu Glukose aufweisen, wie z. B. Bananen, auch bei einer Fruchtzuckermalabsorption gut verträglich. Die Diagnose kann durch einen so genannten H2-Atemtest gestellt werden.

Therapie der Fruktosemalabsorption

Durch eine zeitweise, mäßige Einschränkung von fruktosereichen Lebensmitteln und Zuckeraustauschstoffen können sich die typischen Magen-Darm-Beschwerden bessern. Nachdem die Beschwerden zurückgegangen sind, kann individuell ausgetestet werden, wie viel Fruktose vertragen wird bzw. welche Lebensmittel gut verträglich sind. Am besten wendet man sich dazu an einen mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten erfahrenen Arzt oder eine Ernährungsfachkraft. Der Schwerpunkt bei den pflanzlichen Lebensmitteln sollte eher auf Gemüse als auf Obst liegen, da Gemüse weniger Fruktose enthält. Obst wird am besten in mehreren kleinen Portionen über den Tag verteilt gegessen. Obstsorten mit einem besonders hohen Fruktose- bzw. Sorbitgehalt (z. B. Rosinen, getrocknete Pflaumen, Weintrauben) sollten in der Regel gemieden werden. Verzichtet werden sollte auch auf industrielle Lebensmittel mit einem Zusatz von Fruktose und Zuckeraustauschstoffen (Zuckeralkoholen). Lebensmittel, welche folgende Inhaltsstoffe in der Zutatenliste haben, sind bei der Fruktosemalabsorption ungeeignet: Fructose, Fruktose, Fruchtzucker, Fructose-Glukose-Sirup, Zuckeraustauschstoff, Sorbit (E 420), Mannit (E421), Isomalt (E 953), Maltit (E 965), Lactit (E966), Xylit (E 967), Zuckeralkohol.

Von Geburt an vorhanden – die hereditäre Fruktoseintoleranz

Bei der hereditären Fruktoseintoleranz handelt es sich um eine erbliche Stoffwechselerkrankung. Die geschätzte Häufigkeit liegt bei 1:20.000 bis 1:50.000. Verursacht wird die hereditäre Fruktoseintoleranz durch einen Enzymmangel. In der Folge kann die Fruktose im Körper nicht ausreichend abgebaut werden. Es kommt zu einer Anreicherung eines Zwischenprodukts (Fruktose-1-Phosphat) in der Darmwand, der Leber und den Nieren.

Symptome der hereditären Fructoseintoleranz

Fruktose-1-Phosphat, das sich bei der hereditären Fruktoseintoleranz anhäufen kann, wirkt in größeren Mengen giftig. Es hemmt die Bildung von Glukose im Körper und löst so eine Unterzuckerung aus. Auch taucht es in größeren Mengen in Blut und Urin auf und führt hier zu weiteren Schäden wie der vermehrten Ausscheidung von Eiweißen mit dem Urin. Die ersten Beschwerden stellen sich mit der Einführung von Fruktose in den Speiseplan des Säuglings ein, wie Säuglingsmilch oder -breie mit Zuckerzusatz oder Obstbrei.

Folgende Symptome können auftreten:

  • Erbrechen
  • Unterzuckerung
  • Vergrößerung der Leber mit späterem Übergang zur Leberzirrhose
  • Blutgerinnungsstörungen
  • Schock
  • Eiweißausscheidung über die Nieren

Ältere Kinder entwickeln häufig eine natürliche Abneigung gegenüber Obst und Süßigkeiten. Die hereditäre Fruktoseintoleranz wird über eine Gewebeentnahme aus der Leber, den Nieren oder dem Dünndarm zum Nachweis des Enzymmangels (Fruktose-1-Phophataldolase) festgestellt.

Therapie der hereditären Fruktoseintoleranz

Nur durch ein striktes, lebenslanges Meiden von Fruktose kann einer Lebererkrankung vorgebeugt werden. Diese Form der Fruktoseintoleranz verlangt somit eine völlig andere Ernährung als es bei der intestinalen Form (Fruktosemalabsorption) notwendig ist. Die Betroffenen benötigen eine umfangreiche Ernährungsberatung, um Leberschäden und Nährstoffmängel vorzubeugen.

Fruktosämie und Fruktosurie

Bei dieser Form der Fruktoseintoleranz werden nicht ausreichend Enzyme in der Leber gebildet, um die Fruktose zu verstoffwechseln. Dadurch kann die Fruktose nicht abgebaut werden und sammelt sich im Blut an. Dies bezeichnet man als Fruktosämie. Die Häufigkeit beträgt etwa 1:130.000. Außerdem erscheint Fruktose im Harn (Fruktosurie). Die Fruktosurie ist nicht behandlungsbedürftig und wird meist nur zufällig diagnostiziert.

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