Einseitige Ernährungsformen: Frutarier, Rohköstler und Puddingvegetarier

Frutarier, Rohköstler, Puddingvegetarier – Was bedeuten diese Ernährungsformen?

Einseitige und extreme Ernährungsformen können zu Mangelerscheinungen führen und der Gesundheit schaden. Unser Tipp: Ernährt euch nicht einseitig als Frutarier, Rohköstler, oder Puddingvegetarier.

Wie ernähren sich Rohköstler?

Rohköstler essen keine gegarten Lebenmittel, d. h. nur Lebensmittel, welche nicht über 40° C erhitzt wurden. Der Speiseplan setzt sich aus möglichst naturbelassenen, unbearbeiteten und rohen Lebensmitteln zusammen. Bei der veganen Rohkost kommen überwiegend rohe Obst- und Gemüsesorten auf den Tisch. Andere Rohkostformen schließen auch rohe tierische Lebensmittel wie rohes Fleisch oder rohen Fisch ein.

Vorteile von rohen Lebensmittels

Der Vorteil an rohen Lebensmitteln ist der hohe Gehalt an Vitaminen und Mineralstoffen. Während Mineralstoffe und Spurenelemente in der Regel unempfindlich gegenüber hohen Temperaturen sind, werden einige Vitamine, wie Vitamin C, Vitamin B1 und Folsäure durch Hitze zumindest teilweise zerstört. Hier bietet der Verzehr von rohen Lebensmitteln einen klaren Vorteil. Der Gehalt an hitzeempfindlichen Inhaltsstoffen ist höher als in gegarten Lebensmitteln. In unserer Ernährung befinden sich jedoch auch Inhaltsstoffe, welche in gekochter Form besser verfügbar sind. Ein Beispiel ist das in Tomaten enthaltene Lycopin. Dieser Stoff gehört zu den Carotinoiden und wirkt unter anderem als Antioxidans.

Nachteile der Rohköstler Ernährung

Einige Lebensmittel sollten wir besser nicht in großen Mengen roh verzehren, da sie ungünstige Inhaltsstoffe enthalten. Die Gemüsesorten Grünkohl, Mangold, Rhabarber und Spinat enthalten beispielsweise Oxalsäure, welche die Aufnahme von Kalzium, Eisen und Magnesium hemmt. Auch Bohnen eignen sich nicht zum rohen Verzehr. Das enthaltene Gift Phasin wird erst nach einer gewissen Kochzeit zerstört. Rohe Kartoffeln sind schwer verdaulich. Erst durch die Hitzeeinwirkung wird die enthaltene Stärke so verändert, dass sie besser verträglich ist. Bei rohen tierischen Lebensmitteln wie Fleisch, Fisch, Eiern und Rohmilch besteht ein höheres Risiko für Lebensmittelinfektionen. Rohe tierische Lebensmittel können beispielsweise mit Salmonellen und Listerien (Bakterien der Gattung Listeria) belastet sein. Dies ist besonders für Kinder, ältere Menschen, Schwangere und immungeschwächte Personen gefährlich.

Nährstoffmangel bei einseitiger Ernährung

Wird auf bestimmte Lebensmittelgruppen komplett verzichtet, kann es zum Nährstoffmangel kommen. „Wer sich komplett durch Rohkost ernähren möchte, sollte sich genau über die Inhaltstoffe seiner Nahrungsmittel informieren“, betont Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung in Bonn. Studien hätten gezeigt, dass eine rein vegane Ernährung – ohne Fleisch und Milchprodukte – bei manchen Menschen zu Mangelerscheinungen führen könne. Eine gelegentliche Kontrolle der Blutwerte ist deshalb ratsam. Das gilt insbesondere bei Personengruppen mit erhöhtem Nährstoffbedarf, wie beispielsweise Kindern, Älteren oder Schwangeren. Eine Erhöhung des Rohkostanteils in der „normalen“ Ernährung ist im Rahmen einer gesunden und vollwertigen Ernährung auf jeden Fall empfehlenswert.

Wie ernähren sich Frutarier?

Frutarier ernähren sich nach strengsten Regeln. Dabei dürfen weder Tiere noch Pflanzen zu schaden kommen oder sterben. Frutarier verspeisen nur Lebensmittel, welche von der Pflanze gepflückt werden können, ohne die Pflanze durch die Ernte zu vernichten. Gegessen werden können demzufolge Obstsorten wie Äpfel, Birnen, Pflaumen, Kirschen und Beeren, Nüsse, Gemüsesorten wie Gurken, Tomaten, Kürbisse und Hülsenfrüchte wie Bohnen und Erbsen. Pflanzen, von denen die Wurzeln, Knollen, Stängel oder Blätter gegessen werden wie Spinat, Kräuter, Kartoffeln, Sellerie, Möhren oder Zwiebeln sind tabu.

Getreideprodukte sind bei dieser Ernährungsform grundsätzlich erlaubt, einige Frutarier verzichten aber trotzdem zusätzlich auf Getreide, da es häufig in Monokulturen angebaut wird. Häufig stecken ethische Beweggründe hinter der strengen Ernährungsform. Frutarier möchten nicht, dass durch ihre Ernährung Pflanzen oder Tiere zu Schaden kommen, da sie sie als gleichberechtigte Lebewesen ansehen.

Je eingeschränkter die Lebensmittelauswahl ist, desto höher ist das Risiko für Mangelerscheinungen. Kritische Nährstoffe sind Proteine wie Kalzium, Vitamin B12, Eisen und Vitamin D. Dagegen könnte die hohe Aufnahme von Fruchtzucker aus dem Obst negative Effekte auf den Stoffwechsel haben. Fruchtzucker fördert die Harnsäurebildung und damit Gichtanfälle. Besonders für Menschen mit Gicht oder einem erhöhten Harnsäurespiegel sind große Mengen Fruchtzucker ungeeignet. Bei einigen Menschen führen große Mengen an Fruchtzucker zudem zu Durchfällen.

Wie ernähren sich Puddingvegetarier?

Puddingvegetarier ist eine umgangssprachliche Bezeichnung für Personen, die sich zwar formal vegetarisch ernähren, jedoch vor allem stark verarbeitete Lebensmittel und Fertigprodukte verzehren. So essen Puddingvegetarier zwar kein Fleisch und Fisch, ernähren sich aber trotzdem nicht gesund, da weniger günstige Lebensmittel wie Pommes frites, süße Backwaren, Chips, panierter Käse oder eben Pudding aus dem Kühlregal häufig auf dem Speiseplan stehen. Dagegen kommen frische Lebensmittel, Obst, Gemüse und Vollkornprodukte kaum auf den Tisch. Das Risiko von Übergewicht und den Folgeerkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes mellitus ist hier genauso hoch wie bei Mischköstlern, die sich überwiegend von verarbeiteten „ungesunden“ Lebensmitteln ernähren.

Fazit: Einseitige Ernährungsformen bergen hohe Risiken

Je eingeschränkter die Lebensmittelauswahl ist, desto höher ist immer das Risiko, Mangelerscheinungen zu entwickeln. Wer sich dennoch für eine besondere Ernährungsform entscheidet, sollte sich ausgiebig damit beschäftigen und sich durch regelmäßige Blutkontrollen vergewissern, dass keine Mangelerscheinungen auftreten. Für Kinder und Jugendliche, welche sich noch im Wachstum befinden, sind stark einschränkende Ernährungsformen wie die vegane Ernährung, Rohkosternährung und frutarische Ernährung nicht geeignet. Und auch eine vegetarische Ernährung ist nicht gleich eine gesunde Ernährungsweise, nur weil sie kein Fleisch und Fisch enthält. Fertigprodukte und stark verarbeitete Lebensmittel solltest du im Rahmen einer gesunden Ernährung nur selten verzehren. Unsere Nahrung soll uns mit allen wichtigen Nähr- und Wirkstoffen versorgen. Bei einseitiger Ernährung kann es zu den verschiedensten Mangelerscheinungen kommen.

Übersicht Vorteile und Nachteile Frutarier, Rohköstler und Puddingvegetarier

Was wird gegessen Was ist verboten Vorteile Risiken
Roh­köstler Keine erhitzen Lebensmittel. Rohe Obst- und Gemüse­sorten Teilweise rohes Fleisch oder Fisch. Vitamine und Mineral­stoffe bleiben erhalten Lebensmittel­infektionen, gehemmte Nährstoff­mangel, schwer verdaulich
Fru­tarier Obst, Gemüse, Hülstenfrüchte, teilweise Getreide Tierische und pflanzliche Lebensmittel, welche zu schaden kommen z. B. Möhren, Kartoffeln, Kräuter keine Mangel­erscheinungen, Probleme durch hohen Fruchtzucker
Pudding­vegetarier verarbeitete Lebensmittel und Fertigprodukte Fleisch, Fisch, selten frische Lebensmittel oder Vollkorn keine Übergewicht, Mangel­erscheinungen

 

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